Der Zufällige, die Goldene-Himbeeren-Gruppe und die Nutznießer

Stellen wir uns vor, Armin Laschet (Wer kennt ihn noch?) wäre bei der letzten Wahl Bundeskanzler geworden. Ist er aber nicht. Jetzt ist es Olaf Scholz. Beruhigt uns das? Die Mehrheit der Deutschen wohl nicht. 80 Prozent sind mit der Arbeit der aktuellen Regierung unzufrieden.

Mich haben die Zahlen des aktuellen „ARD-DeutschlandTrend“ nicht überrascht.


Bilder: tagesschau.de (NDR)
Sounds: MuzA Production, Coma-Media


Dabei war ich am Anfang durchaus von der Ampel begeistert.

Allein die Art und Weise der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Bündnis ’90 – Die Grünen und der FDP hat mir so etwas wie Hoffnung gegeben, dass es jetzt mit Deutschland weitergeht. Zumal das Schmierentheater der CDU/CSU bei den zeitgleich stattfindenden Jamaika-Verhandlungen noch einmal einen deutlichen Kontrast bot. Doch meine Euphorie war schnell verflogen.

Mein Fazit: Scholz ist Kanzler, weil das Zeitfenster für die SPD in der Nach-Merkel-Ära gerade günstig war und dass die Gruppe, die uns jetzt regiert, viele „Goldene Himbeeren“ verdient. Entweder ist ihre Arbeit – mit wenigen Ausnahmen – stümperhaft oder unauffällig. Und auch wenn es leider schon zum Running Gag geworden ist: Führung kann ich nicht entdecken.

Die erste Ausnahme ist Boris Pistorius. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Bundesminister der Verteidigung ins Kabinett kam, also dieses nicht mehr paritätisch ausgewogen sein musste, sondern jemand gesucht wurde, der den Job kann. Die zweite Ausnahme ist Lars Klingbeil. Auch wenn er kein Amt in der Regierung selbst hat, ist sein Einfluss als SPD-Chef über den Koalitionsausschuss natürlich groß. Man merkt ihm noch an, dass er gestalten will.

Und der Rest?

Nun ja… Corona hat sich zu einer endemischen Krankheit entwickelt und die Wortspenden des Herrn Prof. Lauterbach sind dadurch dankenswerterweise weniger geworden. Aus den FDP-Gurken ist ein Trupp von Selbstdarstellern geworden, die beweisen, dass der Andi Scheuer noch nicht der Tiefpunkt war und die hohen Ansprüche der Grünen erleben gerade die Realität. Politik ist eben kein Reformhaus.

Auch wenn es im ARD-DeutschlandTrend so aussehen mag: „Oscars“ gibt es für die deutschen Politikerinnen und Politiker derzeit nicht zu verteilen. Ich kann die 29 Prozent für die Union und die 18 Prozent für die AfD nicht nachvollziehen.

Die selbsternannte Alternative profitiert doch nur von der um sich greifenden Politikverdrossenheit. Dieses Konglomerat von rechts bis rechtsextrem bietet doch kein eigenes Angebot. Es sei denn, man versteht unter alternativer Politik Hetze, Angst verbreiten und Lügen. Und die Union? Auch da kann ich nichts wirklich Neues entdecken. Was mich zu der Frage führt, warum ich in den letzten Jahren die CDU gewählt habe.

Die Antwort ist kurz: Angela Merkel. – Aus heutiger Sicht mag ihre Politik nicht immer richtig gewesen sein. Aber bei ihr hatte ich wenigstens das Gefühl, da ist jemand in Berlin, der sich kümmert. Bei aller Sympathie sollten wir aber die Amtszeit in allen politischen Ämtern begrenzen. Ich glaube, das würde der Bundesrepublik und auch den Politikern gut tun.

… und Deutschland?

Der ARD-DeutschlandTrend hat nicht nach der Stimmung im Land gefragt. Ich finde die einfach zum Kotzen.

Eine immer größer werdende Gruppe meckert immer nur. Irgendwie scheint es deren Lebensaufgabe zu sein, etwas zu finden, wogegen man sein kann, und irgendwo findet sich immer was. Wenn genug Meckerer zusammen sind, dann übernimmt die AfD diese Position und die Meckerer fühlen sich noch mehr bestätigt. Löst das Probleme? Wenigstens eines!?

Eine andere Gruppe fühlt sich in ihrer Lebensweise, ihren Ansichten und ihrer Moral so erhaben, dass sie alle anderen belehren muss und wer das nicht kapiert, ist dumm, wenn nicht sogar rechts. Sorry, wenn ich das jetzt sehr drastisch formuliere, aber wir brauchen mal wieder einen „Einmarschbefehl“ und die damit verbundene Erdung.

Ich bin der Meinung, dass die „Woken“ (und ich benutze jetzt bewusst diesen rechten Kampfbegriff) mehr zum Erfolg der AfD beitragen als die Meckerer. Wenn ich sehe, wie viel Zeit, Energie und damit auch (Steuer-)Geld in Themen investiert wird, die so wenig mit meiner Lebenswirklichkeit und den Menschen, die ich kenne, zu tun haben, dann frage ich mich, ob diese Parteien für einen ganz normalen Typen von nebenan wie mich noch ein Angebot sind…

Noch nie wusste ich so wenig wie heute, was ich bei der nächsten Wahl ankreuzen soll.