Familie Clinton, Luftangriffe auf Iran und die oscarreife Ablenkungsshow des schläfrigen Donnie

„And the Oscar goes to…!“

Manchmal schreibt die Realität Drehbücher, die selbst in Hollywood als „zu dick aufgetragen“ abgelehnt würden. Doch im Jahr 2026 ist Subtilität ohnehin ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Wir erleben derzeit eine globale Inszenierung, bei der die Beleuchter ganze Arbeit leisten, um die Schatten der Vergangenheit durch die hellen Blitze der Gegenwart zu überstrahlen. Während in den Hinterzimmern der Macht unangenehme Fragen gestellt werden, explodiert am anderen Ende der Welt die strategische Ablenkung.

Die Clintons im Zeugenstand

In dieser Woche war es endlich so weit: Ein Moment, auf den Beobachter der Epstein-Affäre jahrelang gewartet hatten, war gekommen. Hillary und Bill Clinton mussten vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Es war das erste Mal, dass ein ehemaliges Präsidentenpaar gemeinsam einer solchen Befragung unterzogen wurde. Doch wer als Trump-Wähler auf große TV-Bilder, auf das Zittern in der Stimme oder den Schweiß auf der Stirn hoffte, wurde enttäuscht. – Eine im Weißen Haus hinnehmbare Enttäuschung. 

Die Anhörungen fanden hinter verschlossenen Türen statt, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, ohne Kameras und ohne Livestream. Wir erhielten lediglich dürre Pressemitteilungen und ein paar hastig abgesetzte Beiträge auf X, in denen Bill Clinton beteuerte, er habe „keine Ahnung“ von den Verbrechen seines einstigen Weggefährten gehabt. Hillary nannte das Ganze „parteipolitisches Theater“.

Das Problem an diesem Theater? Es gab kein Publikum. In einer Welt, die von visuellen Reizen lebt, existiert ein Ereignis ohne Bilder praktisch nicht. Die Clintons verschwanden in einem medialen Funkloch, während die Aktenordner der Epstein-Ermittler immer dicker wurden.

Feuerwerk über Teheran: Die Inszenierung der Stärke

Schnitt. Ortswechsel. Zeitsprung zu heute, Samstag, den 28. Februar 2026: Während die Tinte unter den Protokollen der Clinton-Befragung noch trocknet, dominieren ganz andere Bilder die Bildschirme. Die USA und Israel haben koordinierte Angriffe auf Ziele im Iran gestartet. Explosionen über Teheran, aufsteigender Rauch in der Morgendämmerung, hektische Sondersendungen.

Diesmal sind die Kameras dabei. Es gibt HD-Material von startenden Kampfjets und martialische Reden aus dem Lagezentrum. Der Kontrast könnte nicht schärfer sein. Hier wird Weltgeschichte im Breitbildformat produziert. Präsident Trump spricht von „Major Combat Operations“, um eine existenzielle Bedrohung auszuschalten. Es ist die Sprache der Macht, die keine Fragen nach alten Verbindungen zu zwielichtigen Milliardären zulässt.

Das Bilderbuch-Ablenkungsmanöver: Wag the Dog 2.0

Um hier ein Muster zu erkennen, muss man kein Verschwörungstheoretiker sein – ein gesundes Verständnis für PR-Management reicht aus. Wir erleben ein klassisches Ablenkungsmanöver. Auf der einen Seite haben wir den ehemaligen Präsidenten, dessen Verhör Bilder von Schwäche und Rechtfertigung produziert hat. Auf der anderen Seite steht der amtierende Präsident, für den mächtige Bilder inszeniert werden, die pure Handlungsfähigkeit und Entschlossenheit suggerieren.

Es ist die perfekte mediale Waage: Die „Schande“ der Vergangenheit wird durch den „Ruhm“ (oder zumindest den Lärm) der Gegenwart ausgeglichen. Während die Welt gebannt auf die Raketeneinschläge im Iran starrt, fragt erst mal niemand, wann Donald Trump endlich über seine Inselbesuche vernommen wird. Die Bomben über Teheran sind der visuelle Radiergummi, der die Schlagzeilen über die Epstein-Akten aus dem kollektiven Gedächtnis löscht.

Netanjahu: Der billige Handlanger im eigenen Überlebenskampf

Besonders bitter ist dabei die Rolle Benjamin Netanjahus. Der israelische Premierminister hat sich offenbar endgültig zum billigen Handlanger Washingtons gemacht. Warum? Weil er selbst mit dem Rücken zur Wand steht. Sein Kampf um die eigene Machterhaltung in Israel zwingt ihn, sich die bedingungslose Unterstützung von Trump zu sichern – koste es, was es wolle.

Man gewinnt den Eindruck, Netanjahu spiele den Juniorpartner in diesem gefährlichen Spiel, nur um politisch zu überleben. Doch er sollte eines nicht vergessen: Donald Trump ist nicht gerade für seine Loyalität bekannt. Sobald sich der Wind dreht oder die Schlagzeilen in den USA wieder sicherer sind, könnte der „große Freund“ in Washington seinen Partner in Tel Aviv schneller fallen lassen, als dieser „Iron Dome“ sagen kann. Die Leidtragenden dieser Show sind nicht die Politiker in ihren geschützten Bunkern, sondern die Bewohner des Irans, die als Statisten in einem globalen PR-Krieg herhalten müssen.

Genie oder Teamwork?

Am Ende bleibt eine süffisante Frage im Raum stehen: Kann der „schläfrige Donnie” einen derart strategisch brillanten, wenn auch moralisch fragwürdigen Plan tatsächlich allein aushecken? Oder wurde der Zeitplan für diese Eskalation so präzise auf die Clinton-Anhörungen abgestimmt, dass der Oscar für die beste Regie eher dem Team im Hintergrund gebührt?

Vielleicht ist Trump tatsächlich ein geborener Showman, der instinktiv weiß, wann er den Vorhang für einen neuen Akt öffnen muss, um die Kritiker des alten Akts zum Schweigen zu bringen. Doch am Ende bleibt ein fader Beigeschmack. Wenn Außenpolitik nur noch als Korrektiv für unangenehme Schlagzeilen dient, haben wir den Boden der Diplomatie längst verlassen und befinden uns in einer Dauerwerbesendung für die Macht.