Herr Kemmerich und die AfD

Art. 5 • Mittwoch, 5. Febraur 2020, 13:30 Uhr

Mit großem Staunen blicke ich nach Thüringen. Dort wurde heute Thomas Kemmerich, FDP, zum Ministerpräsidenten des Freistaats gewählt. Doch diese Wahl ist mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im Landtag nicht ohne.

Für mich stellen sich zwei Fragen. Ist der AfD tatsächlich ein Überraschungscoup gelungen oder kam Kemmerichs Wahl für die CDU- und FDP-Strategen gar nicht so unerwartet? Ich weiß gar nicht welches „ja“ als Antwort ich schlimmer finde.

Wenn ich in den letzten Wochen die Wortspenden der Politiker von Union und Liberalen verfolgt habe, kam es mir manchmal so vor, als wären wir kurz nach der Wende und es solle von CDU und FDP tatsächlich ein SED-Mitglied an die Regierungsspitze gewählt werden. Mit dem politischen (linken) Rand wolle man doch aber nicht zusammenarbeiten. Dass Bodo Ramelow dabei aus „dem Westen“ ist, interessierte nicht und auch nicht, dass seit dem Umbruch 31 Jahre vergangen sind.

Nun arbeiten CDU und FDP also mit dem rechten Rand zusammen. Anderes kann ich es nicht formulieren. Denn ich kann mir nicht vorstellen, und damit komme ich auf meine Eingangsfrage zurück, dass man das Ränkespiel der AfD nicht durchschaut hat.

Kurz noch ein Wort zur AfD. Die selbsternannte Alternative hat heute wieder einmal gezeigt, dass sie kein Gegenentwurf zu den etablierten Parteien ist. Wie die „Altparteien“ (um die AfD-Sprache aufzugreifen), beherrscht sie Klaviatur des Machtspiels perfekt.

Zu Herrn Thomas Kemmerich selbst kann ich nichts sagen. Ich kenne den Mann nicht. Hoffentlich zeigt er aber, dass es noch Anstand und Würde in der Politik gibt und tritt zurück. EgelhAfDtes Verhalten gibt’s in Deutschland schon genug.

Bildrechte: dpa

8 Kommentare

  1. So eine thüringische Scheiße….
    Die können sich ab jetzt ihre Thüringer Klöße in ihren thüringischen AfD-CDU-FDP-Arsch schieben! 🤮
    Die spinnen doch!!!!

    (kommentiert via Facebook)

  2. @melanie: kannst du bitte das Handeln einiger weniger machtgeiler Politiker nicht auf das ganze Bundesland übertragen, was ja selbst in keinster Weise so gewählt hat. Dann bist auch auch nicht viel besser als die Populisten. Dankeschön…

      1. Es gibt sicher Bürger, die wissen, dass es einen Unterschied zwischen Bundes- und Landespolitik gibt und dass die Parteien in den Ländern in einem gewissen Rahmen freie Hand haben. Trotzdem wird eine Landtagswahl und deren Ergebnis, wie gerade jetzt die MP-Wahl in Thüringen, immer Auswirkungen auf die Bundesparteien haben. Herr Lindner ist bereits nach Thüringen unterwegs, Frau Merkel hat gesagt, dass das rückgängig gemacht werden muss. Es sind also durchaus die Bundesparteien, die jetzt versuchen, ihren Einfluss geltend zu machen.
        Ich kann Melanie verstehen: Ich würde CDU und FDP nicht mehr wählen – würde ich eh nicht machen. Schwarze Kassen bei der CDU und ein vorbestrafter Ex-Vorsitzender der FDP machen es unmöglich, diese Parteien zu wählen.

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