Ein billiges Trump-Abziehbild aus Bayern, Umfrageerfolge beim kleinen Mann, der keine Parteiprogramme liest und Politik, die mir immer mehr am Ars*piep* vorbei geht

Heute haben wir schon den 1. September! Gefühlt war doch aber gestern erst Silvester. Verrückt, wie die Zeit rennt und verrückt, wie sich die deutsche Politik derzeit verhält.

Der Fall des Hubert „Hubsi“ Aiwangers

Die Schulzeit – da haben wir wohl alle Blödsinn gemacht, und je länger das her ist, desto anders war die Gesellschaft. Ich war zum Beispiel ein sehr guter FDJ-Sekretär und nicht nur einfach Mitglied der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft, sondern sogar richtig aktiv. Nach der Wende habe ich auch ein paar Sachen gemacht, von denen heute keiner wissen muss.

Das nennt sich Erwachsen werden. Insofern habe ich erst einmal ein gewisses Verständnis dafür, dass auch im Leben eines bayerischen Wirtschaftsministers nicht alles hundertprozentig gradlinig verlaufen ist und außerdem muss sich der Pfarrer in der Beichte nicht unbedingt langweilen.

Ich kann nicht den Richter spielen über das, was in der Schule von Hubert Aiwanger passiert ist. Was ich nicht verstehe, ist sein Verhalten, seit die „Süddeutsche Zeitung“ recherchiert hat. Da ist der Versuch, die Veröffentlichung mit juristischen Mitteln zu verhindern, und dann seine Erklärungen, verbunden mit einer Entschuldigung im Konjunktiv. Keiner der anwesenden Journalisten durfte nach der abgelesenen Erklärung Fragen stellen. Seitdem habe ich das Gefühl, dass er etwas vertuschen will.

Der gleiche Scheiß, nur in blau

Kleine und große Sünden, kleine und große Skandale, das Streben nach Macht und einem guten Platz am Geldtrog – das ist nicht nur Hubert Aiwanger. Das sind alle Parteien und wer tatsächlich erwartet, dass mit der AfD plötzlich wieder die Interessen der Wählerinnen und Wähler im Mittelpunkt stehen, dem kann ich nur dringend empfehlen aufzuwachen! Dazu bräuchte es andere Politiker und wo sollen die plötzlich herkommen? Wir alle leben schon lange in unserer Gesellschaft und sind somit relativ gleich sozialisiert. Schon die DDR ist am Menschen gescheitert.

Wenn an diesem Sonntag Landtagswahl wäre, würde jeder dritte Wähler in Sachsen sein Kreuz bei der AfD machen. Laut einer aktuellen Umfrage für die „Sächsische Zeitung“ ist die Partei die stärkste Kraft im Freistaat. Die CDU liegt nur wenige Prozent dahinter. Die anderen Parteien sind weit abgeschlagen.

Kann mir das jemand erklären? Kann mir bitte jemand erklären, warum niemand deren Parteiprogramm liest? Da geht es gar nicht um den kleinen Mann auf der Straße. Der soll zum Beispiel erst nach 45 Arbeitsjahren eine abschlagfreie Rente bekommen. Kleines Rechenspiel: Schulabschluss mit 18, dann sechs Jahre Studium und für 2 Kinder je ein Jahr Erziehungszeit. Das heißt, die erforderlichen 45 Arbeitsjahre hat man mit 71 zusammen… Wenn man Managerin bei Goldman-Sachs war, ist man vielleicht noch fit fürs Büro, aber als Malermeister?

Das große Desinteresse

Die meisten Deutschen kümmert das nicht weiter. Bei der aktuellen Politik ist das für mich auch völlig verständlich. Die Bundesregierung ist für lautes Streiten zuständig, der Ministerpräsident von Sachsen wird immer mehr zum Russland-Fan und Putin-Versteher und der grüne Baubürgermeister von Dresden lässt die Stadt immer weiter zubetonieren. Das geht mir alles nur noch am Ars*piep* vorbei.

Ich wusste noch nie so sehr nicht, was ich bei der nächsten Wahl wählen soll!


Kommentare

Hans-Georg • Freitag, 1. September 2023

Ich kann das auch nicht verstehen, was in diesen Bürgern los ist. Selbst wenn man unzufrieden ist, wählt man keine Faschisten. Das von dir genannte Beispiel ist nur ein auf der „sozialen“ Agenda der AfD. Es gibt noch einige mehr, die dem „kleinen Mann“ arg zu schaffen machen würden.


C. R. • Freitag, 1. September 2023

Ein Spruch, zu dem jeder Politiker eine ausführliche Rezension schreiben sollte:

Haltet euch nicht selbst für klug.
(Römer 12, 16)