Trump und die Demokratie

Sonnabend, 25. Januar 2020, 12:00 Uhr

Kann über Donald J. Trump sachlich und objektiv berichtet werden? Ich glaube, das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten ist ein Phänomen unserer Zeit, der durch sein Handeln eine neutrale Annäherung auch recht schwierig macht.

Eine neutrale Annäherung versprechen aber Philip Rucker und Carol Leonnig. Die beiden Pulitzer-Preisträger arbeiten für die „The Washington Post“. Mit ihrem Buch „Trump gegen die Demokratie“ wollen die Beiden „die Pausentaste drücken“ (Vorbemerkungen), um zu verstehen, was sich hinter den Kulissen abspielt und sie wollen in der Lage sein, die Auswirkungen auf das Land einzuschätzen.

Das Buch beruht auf Hunderten Stunden Interview-Material mit mehr als 200 Verwaltungsbeamten, Trump-Vertrauten und anderen Augenzeugen. Donald Trump selbst soll anfänglich mit einem Interview einverstanden gewesen sein: „Sie (Mr Rucker) sind ein seriöser Mensch. Also geht das in Ordnung“ (Seite 11). Später zog er seine Zusage zurück.

© S. Fischer Verlag, 2020

In den letzten Nächten habe ich mich während des Lesens nicht nur einmal gefragt, ob das wirklich alles wahr ist. Zumal der Schreibstil eine gewisse Antipathie erkennen lässt und der Kleinkrieg Trumps gegen die Washington Post sicher auch bei den Autoren seine Spuren hinterlassen hat. Ich finde schon allein den Titel „Trump gegen die Demokratie“ tendenziös. Ich halte Mr Trump nicht für dumm. Ungebildet, unhöflich, rücksichtslos und vor allem zustimmungssüchtig trifft es eher.

Ich glaube deshalb nicht, dass er eine Änderung des politischen Systems in den USA auch nur ansatzweise plant. Dieses Vorhaben wäre für das Blitzlichtgewitterwesen mehr als eine Nummer zu groß.

Ja, da gibt es noch das Versprechen, den „Washingtoner Sumpf“ trocken legen zu wollen. Wir Deutsche sollten uns allerdings an dieser Stelle nicht kopfschüttelnd fragen, wie sich ein Milliardär als der „Amerikaner von nebenan“ verkaufen kann. Bei den Mitgliedern einer deutschen Partei hat das Argument, nichts mit der politischen Elite zu tun zu haben, vorkurzem auch funktioniert.

Meine Bewertung: Sieben von 10 Trump-Hotels.
Unterhaltsam geschrieben. Etwas weniger Meinung wäre gut.

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