Ausgesucht, gescannt und ein nicht zu Ende gedachter Bezahlvorgang

Lange Zeit war es ruhig an der Ecke, an der früher reges Treiben herrschte. Der Lidl in meiner Nachbarschaft ist im letzten Jahr komplett von der Bildfläche verschwunden. Zäune, Schutt und Baustellenlärm prägten das Bild, während das alte Gebäude einem modernen Neubau wich. Vor einigen Tagen war es endlich so weit. Die Türen öffneten sich wieder. Da Neugier bekanntlich ein treuer Begleiter ist, habe ich mich heute auf den Weg gemacht, um den neuen Nachbarn unter die Lupe zu nehmen.

Der Unterschied ist sofort beim Betreten erkennbar. Alles wirkt deutlich moderner, heller und vor allem geräumiger als in der alten Filiale. Die Gänge sind breiter, die Decken scheinen höher und die Beleuchtung setzt die Waren bühnenreif in Szene. Besonders angetan bin ich von der Gestaltung der Obst- und Gemüseabteilung. Sie wirkt frisch, einladend und gut sortiert. Man bekommt fast das Gefühl, über einen Marktplatz zu schlendern statt durch einen klassischen Discounter.

Mein eigentliches Interesse galt jedoch nicht nur dem neuen Design, sondern vor allem der Technik. Ich wollte wissen, wie Lidl das Thema Selbstscan umgesetzt hat. Hier geht das Unternehmen einen interessanten Weg. Im Gegensatz zum „großen Bruder“ Kaufland, wo man oft auf eigene Handscanner im Eingangsbereich setzt, verzichtet Lidl hier komplett auf zusätzliche Hardware. Das Zauberwort heißt „Bring Your Own Device“. Als Kunde nutzt man einfach das eigene Smartphone, um den Einkauf zu organisieren.

In der bekannten Lidl-Plus-App gibt es dafür eine integrierte Extrafunktion. Das Prinzip ist simpel: Während man durch die Gänge läuft, scannt man jeden Artikel direkt ein, bevor er im Warenkorb landet. Die App übernimmt dabei die Nummer der Lidl-Plus-Karte automatisch, was technisch reibungslos funktioniert. Auch am Einkaufswagen selbst wurde mitgedacht. Dort gibt es nun eine spezielle Halterung für das Handy. Das wirkt auf den ersten Blick extrem praktisch, doch in der Realität stieß das System bei mir schnell an seine Grenzen.

Ich bin nämlich kein „am-Wagen-Kleb-Shopper“. Ich gehöre eher zu den Menschen, die den Einkaufswagen im Gang abstellen, um dann zu den Regalen zu gelangen. Wenn mein Handy in der Halterung am Wagen bliebe, hätte ich dabei allerdings ein ungutes Gefühl. Ohne meinen Mitmenschen direkt etwas Böses unterstellen zu wollen: Das Smartphone ist heute einfach ein zu persönlicher und wertvoller Begleiter, um es auch nur für einen Moment unbeaufsichtigt im Gang stehen zu lassen.

Ob sich das Sortiment durch den Neubau grundlegend verändert hat, ist auf den ersten Blick schwer zu beurteilen. Gefühlt ist die Auswahl jedoch gewachsen. Alles wirkt zahlreicher, und die Waren sind so präsentiert, dass der Laden insgesamt hochwertiger erscheint. Deutlich wird, dass Lidl hier versucht, das klassische Discounter-Image hinter sich zu lassen und ein echtes Einkaufserlebnis zu bieten.

Nahaufnahme einer blauen Smartphone-Halterung am Griff eines Lidl-Einkaufswagens. Die Halterung ist mit einem Handy-Symbol und dem geprägten Lidl-Logo versehen. Im linken Vordergrund hält eine Hand ein Smartphone, auf dessen Display die „Scan & Go“-Funktion der Lidl Plus App zu sehen ist. Im Hintergrund liegen frische Blumen im Einkaufswagen.

Doch wo viel Licht ist, gibt es leider auch Schatten. Mein größter Kritikpunkt ist der Bezahlvorgang am Ende des Einkaufs. Hier scheint das Konzept nicht zu Ende gedacht zu sein. Wenn ich schon jeden Artikel während des Einkaufs mühsam selbst scanne, erwarte ich am Ende einen nahtlosen Abschluss. Doch weit gefehlt. Anstatt den Einkauf direkt in der App abzuschließen – etwa per hinterlegtem Apple Pay oder Kreditkarte – muss ich zwangsläufig an die Selbstscan-Kasse gehen.

Dort muss man einen in der App erzeugten Code vom eigenen Display an den Scanner der Kasse halten. Das fühlt sich nach einem völlig unnötigen Zwischenschritt an. Warum kann ich nicht einfach auf „Jetzt bezahlen“ in der App drücken und den Laden verlassen? Hier gibt es definitiv noch Raum für Verbesserungen, um den Prozess wirklich smart und zeitgemäß zu gestalten. Es wirkt fast so, als hätte man kurz vor dem Ziel den Mut verloren, den digitalen Weg konsequent zu Ende zu gehen.

Am Ende bleibt ein gemischter, aber überwiegend positiver Eindruck. Die Filiale ist schick, modern und bietet ein angenehmes Ambiente. Ob ich nun dauerhaft zum Lidl-Stammkunden werde, bleibt abzuwarten. Schließlich gibt es da noch die Konkurrenz auf der anderen Weißeritz-Seite. Mein Hauptmarkt wird wohl erst einmal dort bleiben, wo es bekanntermaßen „All Die“ guten Sachen gibt. Für einen schnellen, modernen Scan-Einkauf ist der neue Lidl aber definitiv eine Option.