Emotionalisierte Berichterstattung, überlastete Justizbehörden und die Ziele von NUIS

Es gibt Schlagzeilen, die sich wie Lauffeuer durch die rechten Echokammern in den sozialen Netzwerken fressen. Meistens beginnen sie mit einer vermeintlich ungeheuerlichen Ungerechtigkeit, garniert mit einer ordentlichen Portion „Wir gegen die“. Ein jüngstes Beispiel ist die Eröffnung der Betriebskantine im Jobcenter Dortmund. Wenn man dem Portal NIUS Glauben schenkt, das sich selbst gerne als die „Stimme der Wahrheit“ (oder wahlweise der Mehrheit) bezeichnet, dann ist in Westfalen gerade das Abendland in einer Schüssel Halal-Gulasch untergegangen.

Werfen wir doch erst einmal einen nüchternen Blick auf das, was uns NIUS als die „unbequeme Wahrheit“ verkaufen wollte.

Die Berichterstattung zeichnete ein düsteres Bild: Eine neue Kantine im Jobcenter, finanziert von deinen Steuergeldern, die sich angeblich fast ausschließlich einem religiösen Speiseplan unterwirft und als Symbol für eine gescheiterte Integration herhalten muss. Es wurde suggeriert, hier werde purer Luxus für Behördenmitarbeiter und Bürgergeldempfänger auf Staatskosten zelebriert, während der „normale Arbeiter“ draußen im Regen stehe. Die harten Fakten sehen jedoch – wenig überraschend – ganz anders aus.

Die Kantine wird von einem externen Dienstleister betrieben und die Entscheidung, auch Halal-Speisen anzubieten, ist in einer Stadt wie Dortmund schlichtweg eine betriebswirtschaftliche des Pächters, um eine breite Zielgruppe anzusprechen. Es geht hier nicht um die „Unterwerfung“ einer Behörde unter religiöse Dogmen, sondern um pragmatisches Catering in einer modernen Metropole. Zudem ist die Kantine öffentlich zugänglich und jeder, der dort essen möchte, zahlt marktgerechte Preise.

Es gibt keine speziellen „Luxus-Subventionen“, sondern lediglich eine Standard-Infrastruktur, wie sie in fast jedem größeren öffentlichen Gebäude oder Unternehmen in Deutschland zu finden ist.

Bei NIUS geht es jedoch nicht um die Einordnung von Pachtverträgen oder Speiseplänen. Es geht um die reine Emotion.

Unter normalen marktwirtschaftlichen Bedingungen stellt sich unweigerlich die Frage, wann die Lichter ausgehen, wenn ein Unternehmen Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge verliert. Bei NIUS scheint diese betriebswirtschaftliche Logik jedoch außer Kraft gesetzt zu sein, weshalb ein genauer Blick auf die Zahlen umso lohnenswerter ist.

Für das Geschäftsjahr 2023 wies das Unternehmen, das hinter dem Portal steht, einen massiven Jahresfehlbetrag von rund 13,8 Millionen Euro aus. In der klassischen Medienwelt wäre ein solches Defizit für ein junges Unternehmen ohne explosives Nutzerwachstum normalerweise ein sicheres Todesurteil. Dass NIUS dennoch uneingeschränkt handlungsfähig bleibt und weiterhin aufwendige Videoformate produzieren kann, liegt allein an der massiven finanziellen Unterstützung durch die Gesellschafter, allen voran dem Milliardär Frank Gotthardt. Die Kapitalrücklage belief sich zuletzt auf über 21 Millionen Euro.

Dies macht deutlich, dass hier kein Kapital investiert wird, um eine kurzfristige Rendite zu erzielen, sondern um eine Plattform um jeden Preis am Leben zu erhalten.

Betrachtet man das klassische Geschäftsmodell eines Medienhauses, so zeigt sich schnell, dass NIUS derzeit kaum als profitabel bezeichnet werden kann.

Auf der Webseite findet sich beispielsweise vergleichsweise wenig jener klassischen Bannerwerbung, auch Programmatic Advertising genannt, die für die meisten News-Portale die Haupteinnahmequelle darstellt. Auch das eingeführte Abo-Modell NIUS+ dürfte kaum die Wende bringen. Branchenexperten bezweifeln stark, dass die aktuellen Abonnentenzahlen ausreichen, um den personellen Aufwand der Redaktion und die hohen Produktionskosten für die täglichen Hochglanzvideos zu decken. Selbst bei der Reichweite bleibt das Portal hinter den Erwartungen zurück, die der Lärm in den sozialen Medien weckt.

Mit etwa 5,7 Millionen Visits Ende 2025 rangiert NIUS im deutschen Online-Ranking deutlich hinter den großen, etablierten Medienhäusern und sogar hinter direkten Mitbewerbern im alternativen Spektrum wie „Tichys Einblick“. Das bedeutet im Umkehrschluss: NIUS wird künstlich am Leben erhalten, obwohl es sich am freien Markt nach journalistischen oder wirtschaftlichen Maßstäben nicht selbst tragen würde.

Warum gibt es NIUS überhaupt?

Wenn die wirtschaftliche Rentabilität als Motiv ausscheidet, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Existenzberechtigung dieses Portals. Zunächst könnte man spekulieren, ob es sich dabei um ein reines Eitelkeitsprojekt handelt, das aus dem Machismo-Verhalten von Julian Reichelt entspringt. Nachdem seine Karriere bei der „Bild“ aufgrund seines Verhaltens spektakulär gescheitert ist, scheint er nun in einer medialen Nische nach Bestätigung zu suchen.

Doch diese Theorie greift zu kurz, denn es ist unwahrscheinlich, dass jemand dauerhaft zweistellige Millionenbeträge verbrennt, nur um das Ego eines einzelnen Mannes zu streicheln. Es ist weitaus wahrscheinlicher, dass hinter dem Projekt das Ziel der gezielten Destabilisierung unserer Gesellschaft steckt. Das Portal fungiert als Katalysator für eine strategisch geplante Empörungswelle, die weit über den digitalen Raum hinausreicht.

Der Mechanismus dahinter ist ebenso simpel wie perfide: Zunächst wird durch die regelmäßige Verbreitung von falsch dargestellten oder aus dem Kontext gerissenen Ereignissen ein Klima der permanenten Wut und Angst in der Leserschaft erzeugt.

Diese künstlich aufgebaute Spannung entlädt sich schließlich in konkreten Handlungen wie beispielsweise massenhaften Anzeigen. Auch im aktuellen Fall der Dortmunder Kantine zeigt sich dieses Muster bereits deutlich. Die Folge ist eine absichtliche Überlastung der Justizbehörden. Selbst wenn diese Anzeigen am Ende fast alle eingestellt werden müssen, binden sie wertvolle Zeit und Ressourcen bei Polizei und Staatsanwaltschaften.

Dadurch kann es passieren, dass bei tatsächlichen Verbrechen und schwerwiegenden Vorkommnissen die notwendigen Ermittlungsschritte oft nicht mehr rechtzeitig oder mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt werden können. Wenn im schlimmsten Fall dann ein Straftäter – beispielsweise ein Vergewaltiger – aufgrund von Fristversäumnissen oder Fehlern einer überlasteten Justiz freigelassen werden muss, steht NIUS sofort bereit, um die nächste Empörungswelle loszutreten.

Es ist ein Teufelskreis: Das Portal beklagt den Zerfall des Rechtsstaats, an dessen Überlastung es durch seine eigene Form der Berichterstattung aktiv mitgearbeitet hat.

Wir müssen uns klarmachen, dass es sich bei NIUS nicht um Journalismus handelt, der auf Information und Aufklärung setzt. Vielmehr handelt es sich um eine politische Interventionsmaschine, die mit viel Geld ausgestattet ist und darauf abzielt, den gesellschaftlichen Konsens zu zersetzen und Institutionen lächerlich zu machen.

Die Geschichte über die Kantine in Dortmund ist dabei nur ein Mosaikstein in einer viel größeren Strategie. Wer solche Inhalte ungeprüft teilt oder deren Narrative übernimmt, macht sich zum Werkzeug einer Agenda, die kein Interesse an Lösungen hat, sondern nur an Eskalation.

Es ist an der Zeit, die Fakten wieder in den Vordergrund zu rücken und die Hintermänner solcher Portale nach ihren wahren Absichten zu befragen.