Duncan, Egg und die Ashford-Wiese

Es ist heute ein ganz besonderer Tag für alle Fans von Westeros. Wer hätte gedacht, dass wir nach dem epischen (und manchmal etwas anstrengenden) Drachentanz in House of the Dragon so schnell wieder zurückkehren? Aber heute ist es so weit: Heute startet bei HBO die neue Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber nach den gewaltigen Schlachten und den komplizierten Familienstammbäumen der Targaryens habe ich mich nach etwas… ja, fast schon Bodenständigem gesehnt. Und genau das scheint uns heute zu erwarten. Packt die Rüstung aus und schärft die Schwerter! Wir schauen uns an, was dieser neue Ableger taugt.

Bevor wir in die Details gehen, folgende Frage: Worauf basiert das Ganze eigentlich? Wer die Bücher von George R. R. Martin nicht nur im Regal stehen hat, um Eindruck zu schinden, sondern sie auch liest, dem sind vielleicht die „Dunk and Egg“-Novellen ein Begriff. In Deutschland sind sie unter dem Titel Der Heckenritter von Westeros bekannt. Sie handeln von zwei der ungewöhnlichsten Helden, die Martin je erschaffen hat. Da ist zum einen Ser Duncan der Lange, ein junger, naiver, aber grundehrlicher Heckenritter, der eigentlich nur versuchen will, in einer harten Welt ehrenhaft zu überleben. Und dann ist da sein kleiner Knappe, genannt „Egg“, ein Junge mit kahlgeschorenem Kopf, der ein Geheimnis hütet, das die Sieben Königslande erschüttern könnte. Die Serie basiert auf der ersten Novelle und versucht, den ganz speziellen Charme einzufangen, den die Kurzgeschichten versprühen. Es ist kein Epos über Könige, sondern eine Geschichte über das Volk und die reisenden Ritter am Wegesrand.

Wo sortieren wir das zeitlich ein? Das ist wichtig, damit nicht der Eindruck entsteht, dass Drachen durchs Bild fliegen. Die Handlung spielt etwa hundert Jahre vor den Ereignissen von „Game of Thrones“.

Ziehen wir „House of the Dragon“ als Vergleich heran: Dort tobte der Bürgerkrieg und die Drachen haben sich gegenseitig zerfleischt. In „A Knight of the Seven Kingdoms“ sind die Drachen hingegen bereits seit einigen Jahrzehnten ausgestorben. Die Targaryens sitzen zwar noch fest auf dem Eisernen Thron, doch die Welt wirkt leerer und gleichzeitig gefährlicher, da die übernatürliche Abschreckung fehlt. Es ist eine Ära der Ritterturniere, der reisenden Abenteurer und der politischen Intrigen, die sich eher im Kleinen abspielen. Man könnte sagen, dass wir das Westeros sehen, von dem Ned Stark seinen Kindern immer erzählt hat: eine Welt, die noch an Ritterlichkeit glaubte, auch wenn sie hinter der Fassade genauso dreckig war wie eh und je.

Was mich an dieser Serie besonders fasziniert, ist der bewusste Bruch mit der bisherigen Formel. „Game of Thrones“ war gigantisch, „House of the Dragon“ ist visuell fast schon überbordend. „A Knight of the Seven Kingdoms“ schlägt jedoch einen anderen Weg ein. Die Produktion ist intimer und geerdeter. Es gibt keine CGI-Armeen, die gegeneinander prallen. Stattdessen liegt der Fokus auf den Dialogen und der Charakterentwicklung. Die Macher haben sich für ein Format entschieden, das an ein „Road Movie“ erinnert – nur eben zu Pferd. Es gibt keine zehn parallelen Handlungsstränge auf drei Kontinenten. Wir bleiben bei Dunk und Egg. Diese erzählerische Enge gibt der Serie eine Qualität, die dem Franchise nach den letzten Jahren sehr guttut: Man hat endlich wieder Zeit, die Welt durch die Augen eines Einzelnen zu erleben.

Und damit komme ich zum eigentlichen Herzstück: Ser Duncan. Ich muss sagen, die Besetzung ist ein Volltreffer. In einer Welt voller zynischer Antihelden und berechnender Machtmenschen ist er fast schon ein Anachronismus. Er ist groß, er ist stark, aber er ist – und das meine ich absolut positiv – herrlich drollig. Seine Tollpatschigkeit im Umgang mit dem Adel, seine tiefe Unsicherheit, ob er ein „echter“ Ritter ist, und die Chemie mit dem altklugen kleinen Egg sorgen für echte Schmunzelmomente. Es ist eine „Coming-of-Age“-Geschichte für einen Zwei-Meter-Hünen. Zuschauen macht einfach Spaß und gibt einem dieses wohlige Gefühl von Abenteuerlust zurück. Nach der ersten Folge hat man sofort Lust, mit den beiden weiterzuziehen.

Aber – und jetzt kommen wir zum obligatorischen Wermutstropfen – es gibt eine Sache, die mich (und sicher viele von euch) wurmt.

George R. R. Martin hat passend zum heutigen Start schon wieder ein weiteres Spin-off angekündigt. Irgendetwas über die Eroberung durch Aegon oder die Zehntausend Schiffe. Ganz ehrlich, George? Wir lieben die Welt, die du erschaffen hast. Aber während HBO eine Serie nach der anderen raushaut, warten wir seit über einem Jahrzehnt auf „The Winds of Winter“. Martin ist nicht mehr der Jüngste und jedes Mal, wenn er ein neues Serienprojekt unterschreibt oder eine neue Kurzgeschichte ankündigt, blutet das Herz der Buchleser. Es wäre schön, wenn er die beiden fehlenden Bände von „Das Lied von Eis und Feuer“ endlich fertigstellen würde, bevor er seine eigene Geschichte vollendet hat. Mein Wunsch für 2026 wäre ein bisschen weniger Hollywood und ein bisschen mehr Schreibtisch.


Kommentar

Tessa • Dienstag, 20. Januar 2026

Ich war kurz davor, wegen der Game-of-Thrones-Titelmelodie durchzudrehen, nur um dann sofort zu sehen, wie Dunk kackt???? OKAY!


Bilder: HBO Max
Musik: Pixabay