Hetzer und die Anständigen

Art. 5 • Dienstag, 17. Februar 2020

Es war ein Abend voller Gegensätze. Zuerst war ich zum Friedensgebet in der Frauenkirche und dann zur Demonstration für unsere offene Gesellschaft und gegen Hetzparolen, die in unmittelbarer Nähe zu Pegida auf dem Neumarkt stattfand.

Friedensgebet in der Frauenkirche: „Selig sind, die Frieden stiften“

Die Bänke in der Frauenkirche waren gefüllt. Dicht gedrängt saßen die Menschen hier, um ein Zeichen zu setzen. Denn Pegida-Hauptredner war Björn Hocke.

Ein Gottesdienst unterscheidet sich natürlich von einer politischen Demonstration. Während in der Kirche unsere gemeinsamen Werte in wohl gewählten Worten hervorgehoben wurden, ging es bei der von Parteien und gesellschaftlichen Bündnissen organisierten Anti-Hocke-Demonstration deutlich lauter zu. Und doch gab es etwas Verbindendes: Anstand und Respekt.

Demonstration auf dem Neumarkt: „Demokratie braucht Rückgrat“

Während bei Pegida etwas vom Sieg in die Mikrofone geschrien wurde, hoben die Redner – in und vor der Frauenkirche – die Vorteile unserer Gesellschaft hervor. Die Pegida- und AfD-Sympathisanten wurden zwar auch verbal angegriffen, aber nicht diffamiert. Wenn bei den „Spaziergängern“ die Argumente ausgingen (und viele davon gab es nicht), wurden die Sätze mit teils üblen Beleidigungen gefüllt.

Die Pegida-Veranstaltung gliederte sich in drei Teile. Zuerst redeten Bachmann und Co. Die Protestaktionen von ca. 2.500 Dresdner Bürgern fanden dabei bei den Patrioten allerdings ihr Missfallen. Deshalb musste man für die ca. 1.500 eigenen Anhänger feststellen, dass man doch „die Hauptdemonstration sei“. Psychologisch geschickt fand ich das Vorgehen des Pegida-Versammlungsleiters, wenn er sich bei der Versammlungsbehörde über „die Anderen“ beschwerte. Dies geschah nämlich über die Lautsprecheranlage. Damit wurde der Anschein erweckt, dass Pegida weißungsberechtigt ist. Gut fürs eigene Machtbewusstsein.

… und dann war ich enttäuscht

Nach dem Pegida durch die Straßen gezogen war, redete Björn Höcke. Dass er reden kann, zeigte besonders der Vergleich zu Bachmanns Rede. Der Pegida-Gründer ist wahrlich nicht gerade begabt. Allerdings war ich von Herrn Höcke enttäuscht. (Ich weiß, dass klingt jetzt doof:) Ich hatte irgendwie „mehr“ erwartet. Doch seine Rede klang wie aus dem Baukasten. Seine stets herausgehobene Fähigkeit die Zuhörer fesseln zu können, kann ich nicht bestätigen.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass er von den Pegida-Teilnehmern nicht viel hält. Wurde seine Rede intellektuell etwas fordernder, wurde der Applaus geringer. Fast schon müde wechselte Herr Höcke dann in simple Phrasen zurück.

3 Kommentare

  1. Lieber Danny,

    ich finde es toll das Du auch zu politischen Themen bloggst und Dich semiöffentlich zu gesellschaftlich hochumstrittenen Ereignissen äußerst. Noch besser würde es mir gefallen wenn Du dabei ehrlich bleibst. Gerade Du als (ehemals?) Konservativer und Mann mit Format bist doch jemand der auf das Geklatsche für solchen Gratismut gut verzichten könnte.

    Viele Grüße, Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,

      Sie haben Recht. Mit jedem Blogpost, jedem Instagrambild und mit jedem Tweet stelle ich mich in die Öffentlichkeit und ja, ich möchte dafür ein Feedback bekommen. Ich freue mich über „Likes“ und Kommentare.

      Gerade mir als (noch immer) Konservativen ist es mit Blick auf die aktuelle Situation, nicht nur nach Hanau, wichtig, ein Zeichen zu setzen und hier mit Beiträgen Stellung zu nehmen. Viele reden nur, dass man handeln sollte/muss. Ich tue es auch und ich berichte bewusst darüber.

      Den Kommentar zum Gratismut möchte ich zurückweisen. Es braucht nämlich (leider) wirklich eine gewisse Unerschrockenheit. Sehr schnell zieht heutzutage ein Shit-Sturm auf. Die „Alternative“ hat da ganz recht, dass man in Deutschland seine Meinung nicht mehr frei sagen darf. Dafür sorgt allerdings nicht die Regierung, sondern der egelhAfDte Verein und seine Anhänger.

      Viele Grüße, Danny

  2. Lieber Danny,

    vielen Dank für Deine Antwort.

    Nun, mir bereitet die „Alternative“ genauso viel Sorgen wie die „Zivilgesellschaft“.

    In diesem Sinne, so long, and thanks for all the fish.

    Viele Grüße, Wolfgang

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