Glück und die neue Version eines Bittgebets

Art. 5 • Sonntag, 19. April 2020, 9:30 Uhr (Weißer Sonntag)

„Vater unser“ – Das wohl bekannteste und vielleicht auch das am meisten gesprochene Gebet. Ich war irritiert, dass es in Italien davon eine neue Version geben soll. Doch ich habe schnell mit dem Lesen des Artikels in der „Süddeutschen“ aufgehört, weil mich die Begründung noch mehr irritierte: „… damit mit es näher am griechischen Original ist“. A-ha.

Das Gebet selbst stammt aus der Bergpredigt. Im Matthäus-Evangelium heißt es „Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach“ (Mt 5, 1-2). Ich nehme mal an, dass Jesus damals nicht plötzlich den Bildungsbürger rausgekehrt und eine Vorlesung auf Griechisch gehalten hat. Vielmehr wird er wohl mit seinen Freunden in deren Muttersprache geredet haben. – Aramäisch.

Aber, was weiß schon ich. Mir ist Glaube wichtig geworden. Ähnlich meiner Familie und meiner Freunde, nur mit einer größeren Hoffnung, aber doch gleichen Bedeutung. Und so gefällt mir der neue Text. Ich habe ihn nämlich zu einem späteren Zeitpunkt dann doch gelesen. „Und überlasse (statt führe) uns nicht der (in) Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen“! Von meiner Familie käme ja auch niemand auf die Idee, mich in eine Falle zu locken. Die neue italienische Textversion passt besser zu meiner Empfindung von Gott, der mich (im Kampf gegen das „Böse“) unterstützt.

Wichtig ist dabei zudem, dass wir nicht in einem sprachlichen Ritual einen Gottesdienst sehen, sondern in unseren Taten. So mag zum Beispiel in Corona-Zeiten das Nicht-Tragen einer Gesichtsmaske die Versuchung sein, in dem wir der eigenen Bequemlichkeit erliegen. Da braucht‘s manchmal einen kleinen Ansporn, den nervigen Stofffetzen zu tragen.

Weißt du was Glück ist?

Ich möchte noch einmal auf die Bergpredigt zurückkommen. Jesus fordert dort, nicht marktschreierisch zu beten, sondern, „wenn du betest, geh in deine Kammer und schließe die Tür zu“! Vorkurzem lass ich hierzu einen passenden Spruch über das Glück: „Glück ist, wenn jemand deinen Namen Tag für Tag in seinen Bittgebeten erwähnt, ohne dass du etwas davon weißt“.

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