Viele Fragezeichen und die nicht-binäre transfeminine Lesbe

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Ein wichtiger Satz vorweg: Ich schreibe meine Gedanken zu dem Video auf. Ich mache mich weder über den Inhalt noch die Person lustig. Falls sich jemand angegriffen fühlt, bitte ich um Entschuldigung. Dies ist nicht meine Absicht.

Ich bin bei TikTok auf dieses Video gestoßen und, das muss ich ehrlicherweise zu geben, ich war erst einmal irritiert. Vom Einstieg abgesehen (der TikToker denkt schwul zu sein, trifft deshalb einen Typen, der aber nicht schwul ist und beide verlieben sich nicht in einander), der also nach einer typischen GZSZ-Story klingt, brauchte ich zum Erfassen des Inhalts Google.

Queer ist ein Sammelbegriff für Personen, deren geschlechtliche Identität und/oder sexuelle Orientierung nicht der heteronormativen Norm entspricht. Das Adjektiv cis bezeichnet die Übereinstimmung von Geschlechtsidentität und dem Geschlecht, das einer Person bei der Geburt zugewiesen wurde.

Als nicht-binär versteht man Menschen, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich identifizieren. Der Begriff transfeminin beschreibt Menschen, die als Mann geboren wurden, sich jedoch nicht als männlich, sondern als weiblich identifizieren. Obwohl er sich als weiblich identifiziert, betrachtet sich jemand, der transfeminin ist, nicht als Frau.

Im Video ist also ein Mensch zu sehen, der als Mann geboren wurde, sich jedoch (auch) weiblich fühlt, aber nicht als Frau betrachtet und auf Frauen steht. Oder um es noch kürzer zu machen: Der Mensch im TikTok hat seine große Liebe noch nicht gefunden.

It’s a Girl. It’s a Boy. – It’s a Human!

Wir reden heute sehr oft davon, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung keine Rolle bei der Beurteilung eines Menschen spielen sollen. Nach meinen Beobachtungen nimmt aber die Fixierung genau auf diese Themen immer mehr zu und zwar in der Form, dass jeder sein eigenes Label sucht/braucht.

Warum entscheiden wir uns alle zusammen nicht für die zwei biologischen? Schon vor der Geburt ist das Geschlecht als Label feststellbar. Also „draufkleben“ und fertig. Dann gibt’s halt Jungs mit orangenen Haaren. – Punkt.

Oder wir gehen noch einen Schritt weiter und wir schaffen die statistische Einteilung in Geschlechter ab. Ob dann mit dieser Entscheidung aber alle glücklich wären, wage ich zu bezweifeln. Der Mensch scheint seine Schubladen zu brauchen und wenn’s seine eigene ist, um glücklich zu sein.

7 Kommentare

  1. Der Bär in mir, der es satt hat, als omnisexuelle genderlose Giraffe, die im Körper eines alten weißes Mannes gefangen ist, wahrgenommen zu werden, ist zwar irritiert aber findet das aber gleichzeitig lustig.

  2. Ich bin verwirrt.
    Er hat für sich festgestellt, dass er nicht schwul ist. Ok.
    Cis ist er auch nicht. Ok.
    Steht auf Frauen („Lesbe“). Ok.
    Verhält sich lieber fraulicher („transfeminin“ – nie gehört). Ok.

    Zusammengefasst nannte man das früher doch „heterosexuell“ o nicht? 🤣🙈🤦‍♂️

    (kommentiert via Twitter)

    1. Also wie gesagt, ich will mich da ja nicht lustig machen oder so. Ich will das wirklich verstehen. Aber, ruft hier nicht einfach einer nur nach Aufmerksamkeit? Er ist halt ein Mann, der seiner femininen Seite Raum gibt.

        1. So geht’s mir auch. Wir haben 40 Jahre lang dafür gekämpft, nicht mehr in Schubladen gesteckt zu werden, dann kam the latest fad from the USA mit gefühlt hunderten neuen Begriffen, die jeder selbst frei kombinieren kann.
          Die Definitionen sind meist an den Haaren herbeigezogen.

          (kommentiert via Twitter)

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