Pegida und die Nachbarschaftshilfe

Art. 5 • Montag, 23. März 2020, 18:00 Uhr

Montagabends wird Dresden noch immer regelmäßig von einem Häufchen Hetzer als Bühne für deren Selbstdarstellung missbraucht. Wegen Corona darf Pegida dies zurzeit jedoch nicht. Doch was machen die Patrioten heute Abend?

Man könnte ja denken, dass auf der Internetseite des eingetragenen Vereins jetzt Nachbarschaftshilfe organisiert wird. Schließlich versteht sich Pegida als „politische Bewegung, welche (…) die gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit aufgreift und gemeinsam mit der Bevölkerung Lösungen“ findet. Doch nichts dergleichen ist online abrufbar.

Was unter „Aktuelles“ verfügbar ist, lässt sich nur schwer zusammenfassen: So wird angemerkt, dass das Corona-Virus schon seit Jahren bekannt sei und dabei auch harmloser als eine normale Grippe ist. Jedoch wird im gleichen Artikel berichtet, dass „innerhalb von 20 Tagen (…) ein Land in eine Schockstarre versetzt und eine Rolle Klopapier zum wertgeschätzten Luxusartikel (wurde). Tatsächlich wurde eine ganze Welt in ein wirtschaftlich nicht absehbares Szenario gestoßen“. Schuld daran ist natürlich Frau Merkel. „Eine hilflose und kompetenzlose Regierung outet sich gerade stündlich“.

Auf den Oxymoron in diesen Aussagen möchte ich nicht eingehen. Aber ich habe einige wenige, rein wissenschaftliche Fakten zusammengetragen. Corona ist eine Virusfamilie. Sie wurde tatsächlich erstmals bereits Mitte der 1960er Jahre identifiziert. Zu dieser Familie gehören auch die Erreger der SARS-Pandemie von 2002/2003. Covid-19 (corona virus disease 2019) ist jedoch eine neue Mutation. Diese Viren-Art wurde erstmals Ende Dezember 2019 in der chinesischen Millionenstadt Wuhan entdeckt.

Nun bastelt sich natürlich jede politische Bewegung ihre eigene Weltanschauung zurecht. Allerdings sollte man sich nicht als Vertreter der Bevölkerung inszenieren, wenn man sich um die Belange derer einen Scheißdreck kümmert. Eine Nachbarschaftshilfe lässt sich nämlich auch ohne Regierungsverantwortung schnell organisieren. Also ihr Patrioten, wo seid ihr?

Fridays for?

Aber nicht nur das Verhalten des engelhAfDten Vereins irritiert. Auch die Generation FFF benimmt sich nicht gerade beispielhaft. Greta Thunberg schweigt auf ihrem Twitter-Kanal. Dabei könnte ihre Popularität für ein #WirBleibenZuHause sorgen. Den Rest scheint eher das abendliche Chillen in der Hood mit den Best Buddies zu interessieren. Kann es sein, dass es sich bei der freitäglichen Zukunft doch mehr um die Karrierechancen Einzelner aus der Klimabewegung handelt, als um gesellschaftliche Verantwortung? Der Eindruck drängt sich mir in den letzten Tagen massiv auf. Für unsere Zukunft wäre Gesundheit kein unwesentlicher Bestandteil.

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