Eine Fregatte aus Elfenbein, der Hofstaat am Geburtstag des Großmoguls und das Neue Grüne Gewölbe


Wir waren heute im Neuen Grünen Gewölbe im Dresdner Residenzschloss, das zu den weltweit bedeutendsten Schatzkammern zählt. Neben Kostbarkeiten aus Emaille, Elfenbein und Bernstein werden dort über 1.000 Meisterwerke der Goldschmiede- und Steinschneidekunst präsentiert.

Ein Besuch gleicht einer Zeitreise, bei der das Licht die Hauptrolle spielt. Während das Historische Grüne Gewölbe im Erdgeschoss mit seiner barocken Fülle beeindruckt, gibt die erste Etage den Meisterwerken den Raum, den sie verdienen. In den modernen Vitrinen rückt die reine Meisterschaft in den Fokus. Es ist faszinierend, wie nah man hier der Geschichte kommen kann. Man meint fast, den Atem der Goldschmiede aus vergangenen Jahrhunderten zu spüren. Gerade in unserer hektischen Zeit bietet die Sammlung einen perfekten Rückzugsort, um abseits des Trubels in die Welt der feinsten Handwerkskunst einzutauchen.

Durch die Gründung legendärer Sammlungen machte August der Starke Dresden zu einem europäischen Zentrum für Barockkunst und exzellentes Handwerk. Sein Hang zu architektonischer Pracht und kostspieligen Kunstankäufen begründete den Mythos vom „Elbflorenz“, der den Ruf Dresdens als Weltkulturstadt bis heute zementiert.

Besonders beeindruckt haben mich „Die Elfenbein-Fregatte, getragen von Neptun” und „Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aurangzeb”. Beide Kunstwerke bestechen durch ihren Detailreichtum und sind doch grundverschieden. Bei dem Schiff ist eine unglaubliche Feinheit zu sehen. Während der Hof zu Delhi durch Masse heraussticht. August der Starke zahlte für dieses Kunstwerk die unglaubliche Summe von 58 485 Talern. Um das einmal einzuordnen: Das war mehr, als der Bau des Schlosses Moritzburg zur gleichen Zeit kostete. Es war das teuerste Kunstwerk seiner Epoche.