Egoismus, Abgründe und die neue Wahrheit der Trump-Ära


Manchmal gibt es diese Filme, bei denen man das Kino verlässt oder den Fernseher ausschaltet und sofort weiß, in welche Kategorie man sie einordnen möchte. Da gibt es den Klassiker, den man am liebsten sofort noch einmal sehen würde, oder den totalen Reinfall, über den man sich schon während des Abspanns lautstark beschwert. Und dann gibt es Produktionen wie „How to Make a Kill“. Ich sitze jetzt schon seit ein paar Tagen hier, tippe Sätze in die Tastatur, lösche sie wieder und fange von vorn an. Die Wahrheit ist: Auch mit dem nötigen zeitlichen Abstand weiß ich immer noch nicht so recht, was ich von diesem Film halten soll. Er lässt mich ratlos zurück, aber auf eine Weise, die mich dazu zwingt, immer wieder über ihn nachzudenken. Vielleicht ist das das größte Kompliment, das man einem Film heute noch machen kann. In einer Zeit, in der alles mundgerecht serviert und algorithmisch auf unseren Geschmack zugeschnitten wird, ist „How to Make a Kill“ ein sperriger Brocken, der sich nicht so einfach verdauen lässt.

Ein Plot abseits der ausgetretenen Pfade

Von der ersten Minute an hat mich die Tatsache fasziniert, dass sich die Handlung eben nicht an das übliche Malen-nach-Zahlen-Prinzip hält. Wir kennen die Formeln: der Held mit dem moralischen Kompass, der Schurke mit dem größenwahnsinnigen Plan und der Wendepunkt genau nach 45 Minuten. Hier war das anders. Die Geschichte schlug Haken, die ich nicht kommen sah. Das lag nicht nur an der Inszenierung, sondern an der grundlegenden Struktur der Geschichte.

Es war schlichtweg mal was anderes. Der Film traut sich, eine Erzählweise zu wählen, die fast schon unangenehm distanziert wirkt, während sie gleichzeitig eine Sogwirkung entfaltet, der man sich nur schwer entziehen kann. Man beobachtet die Figuren dabei, wie sie Entscheidungen treffen, die in jedem anderen Film als „falsch” oder „unmoralisch” markiert worden wären. Aber hier? Hier werden sie einfach als Gegebenheiten präsentiert. Es gibt keinen moralischen Zeigefinger, keine leitende Hand, die dem Zuschauer flüstert, wer hier eigentlich der Gute ist. Wahrscheinlich, weil es schlichtweg niemanden gibt, der diese Rolle ausfüllen könnte.

Ein Schlag in die Magengrube!

Und dann ist da dieses Ende. Ich will hier natürlich niemanden spoilern, falls ihr den Film noch vor euch habt. Aber eines muss ich sagen: Es hat mich eiskalt erwischt. Oft kann man bei Thrillern oder Dramen bereits im zweiten Akt die Auflösung erahnen, wenn man nur aufmerksam genug auf die Details achtet. Bei „How to Make a Kill“ dachte ich, ich hätte das Spiel durchschaut. Ich dachte, ich wüsste, worauf das Ganze hinausläuft. Doch weit gefehlt. Der Film zieht einem im letzten Moment den Boden unter den Füßen weg. Aber nicht durch einen billigen Plot-Twist, der die Logik der vorherigen 90 Minuten bricht, sondern durch eine Konsequenz, die in ihrer Kaltblütigkeit fast schon schmerzhaft ist. Es ist ein Ende, das einen mit einem flauen Gefühl im Magen zurücklässt und vielleicht ist genau das die Absicht. Es ist kein befreiender Abschluss, sondern ein Ausrufezeichen hinter einer These, die wir im Alltag nur allzu gerne verdrängen.

Ein Film für die Ära Trump

Wenn ich versuche, zu analysieren, warum mich dieser Film so sehr beschäftigt, komme ich immer wieder auf den gleichen Gedanken: Er ist vielleicht einer der ehrlichsten Filme unserer Zeit. Wir leben in einer Ära, die maßgeblich durch Personen wie Donald Trump geprägt wurde. Einer Zeit, in der sich moralische Koordinaten nicht nur verschieben, sondern sich teilweise vollständig auflösen. Es ist die Zeit des Postfaktischen, in der die lauteste Stimme gewinnt und Integrität oft als Schwäche belächelt wird.

„How to Make a Kill“ spiegelt dieses Lebensgefühl wider. Es ist eine Welt, in der sich alles verschiebt. Wahrheiten werden zu Meinungen, Loyalität wird zur Verhandlungsmasse und am Ende zählt nur noch das eigene Wohl. Der Film zeigt Menschen, die das Spiel dieser neuen Zeit perfekt beherrschen. Es geht nicht mehr um das „Wir“ oder um gesellschaftliche Werte, sondern um die nackte, egoistische Selbsterhaltung und den Aufstieg um jeden Preis. Vielleicht ist das die bittere Pille, die wir schlucken müssen. Der Film ist so verstörend, weil er uns einen Spiegel vorhält. Er zeigt eine Welt, die wir selbst erschaffen haben oder in der wir gelernt haben, uns zu arrangieren.

Bin ich begeistert? Ich weiß es nicht. Bin ich abgestoßen? Irgendwie schon. Aber genau diese Ambivalenz macht „How to Make a Kill“ für mich zu einem wichtigen Werk. In einer Kultur, die nur noch „Daumen hoch” oder „Daumen runter” kennt, ist dieser Film das große Fragezeichen in der Mitte. Er ist ehrlich in seiner Grausamkeit und konsequent in der Darstellung einer Welt, in der Empathie zum Luxusgut geworden ist. Wenn ein Film es schafft, dass man auch Tage später noch mit sich selbst ringt, dann hat er definitiv etwas richtig gemacht. Er ist unbequem, er ist radikal und er passt perfekt in diese merkwürdige Zeit, in der wir uns alle irgendwie zurechtfinden müssen.

Ob ich ihn empfehlen würde? Ja, aber nur, wenn ihr bereit seid, danach ohne einfache Antworten dazustehen. Manchmal ist genau diese Erfahrung nötig, um wieder ein bisschen klarer zu sehen, auch wenn der Blick auf das Gezeigte wehtut.

Bild: A24, Blueprint Pictures, Studio Canal
Sound: Aleksandr Karabanov, Omar Faruque