Machtdemonstrationen und Deals

„Der Tyrann ist gestürzt.“ Mit diesen vier Worten auf Truth Social hat Donald Trump heute Morgen eine neue Zeitrechnung eingeleitet. Was wir heute Nacht in Venezuela erlebt haben, war keine klassische diplomatische Krise, sondern eine militärische Präzisionsoperation, wie man sie sonst nur aus Hollywood-Thrillern kennt. Während Caracas noch schlief, heulten die Triebwerke von US-Kampfjets über der Stadt auf. Es folgten gezielte Schläge gegen Militärstützpunkte, die Ausschaltung der Kommunikation und schließlich der Zugriff. Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores wurden festgenommen und sind bereits auf dem Weg nach New York.

Man muss sich das einmal vorstellen: Ein amtierender Staatschef wird aus seinem Palast geholt und wie ein gewöhnlicher Krimineller außer Landes geflogen. In den sozialen Medien kursieren bereits erste verwackelte Aufnahmen von Hubschraubern über dem Präsidentenpalast Miraflores. Die Straßen von Caracas sind ein Bild des Chaos: Jubelnde Menschen auf der einen und gepanzerte Fahrzeuge sowie brennende Barrikaden auf der anderen Seite. Es ist das Ende einer fast 13-jährigen Ära, die das Land in den Ruin getrieben hat. Doch während die Welt noch den Atem anhält, stellt sich die alles entscheidende Frage: Warum jetzt?

Die offiziellen Gründe werden schnell genannt. Washington spricht von „Drogenterrorismus“ und einer alten Anklage aus dem Jahr 2020, während Kritiker natürlich sofort das Wort „Öl“ flüstern. Schließlich sitzt Venezuela auf den größten Reserven der Welt und die Trump-Administration hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie amerikanische Firmen wieder ganz vorne sehen will. „We’re going to be very much involved in it“, tönte Trump bereits in einem ersten Telefoninterview.

Bis hierhin und nicht weiter

Doch wenn wir ehrlich sind: Beim Öl geht es nur um die Beute, nicht um den eigentlichen Grund. Der wahre Grund ist viel tiefer in der Geopolitik vergraben. Wir erleben gerade die Wiedergeburt der Monroe-Doktrin mit einem modernen Twist. Es geht um die Klarstellung der Machtverhältnisse in Südamerika gegenüber Peking. Erst gestern hat China ein neues Strategiepapier veröffentlicht, das den Anspruch untermauert, der wichtigste Partner Lateinamerikas zu werden. China baut Häfen, finanziert Infrastrukturprojekte und erwirbt politischen Einfluss im „Hinterhof“ der USA.

Die Festnahme Maduros ist eine blutige Botschaft an Xi Jinping: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Washington zeigt der Welt, dass es bereit ist, völkerrechtliche Normen komplett zu ignorieren, um seinen Einflussbereich physisch zu sichern. Es ist eine Machtdemonstration, die China signalisiert, dass wirtschaftliche Abkommen wenig wert sind, wenn man keine Flugzeugträger vor der Küste hat.

Während Washington Fakten schafft und Peking seine Antwort formuliert, was macht eigentlich Brüssel? Die Antwort ist so bitter wie vorhersehbar. Die EU schaut zu. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hört man, man sei „besorgt“, aus Paris kommen Rufe nach „Völkerrecht“. Doch das ist nur rhetorisches Lametta.

Die militärische Ohnmacht der Europäischen Union

Heute Nacht ist die militärische Ohnmacht der Europäischen Union so deutlich geworden wie nie zuvor. Im Gegensatz zu den USA oder China hat die EU keine Möglichkeit, ihre Standpunkte mit Nachdruck durchzusetzen. Wir haben keine gemeinsame Armee, keine schnelle Eingreiftruppe, die in einem solchen globalen Schachspiel auch nur eine Figur bewegen könnte. Europa ist ein wirtschaftlicher Riese, aber ein militärischer Zwerg. Wir stehen am Spielfeldrand, kommentieren die Regeln, während die anderen das Spiel längst beendet haben.

Was wir hier sehen, ist der ultimative Beweis dafür, wie dringend wir eine echte europäische Einheit brauchen. Und genau hier liegt das Problem: Die Trump-Administration weiß das ganz genau. Anstatt einen starken Partner in Europa zu suchen, fördert Washington immer offener und aggressiver die „inneren Feinde“ der EU: die Nationalisten und Skeptiker, die das Projekt von innen heraus schwächen. Ein geeintes Europa würde den „Deals“ von Trump nur im Weg stehen. Ein zersplittertes Europa hingegen ist für ihn ein Buffet, an dem er sich bedienen kann.

Ein brillanter, wenn auch skrupelloser Schachzug

Bei diesem militärischen Spektakel darf man aber die Uhr im Weißen Haus niemals vergessen. Wir schreiben das Jahr 2026: Die Midterms stehen bevor und Trump benötigt einen deutlichen Sieg, um seine Agenda endgültig durchzusetzen. Mit der Festnahme Maduros hat er in dieser Nacht den Grundstein für diesen Wahlsieg gelegt.

Es ist ein brillanter, wenn auch skrupelloser Schachzug. Erstens: die Stimmen in Florida. Wer die Exil-Venezolaner und Exil-Kubaner in Miami hinter sich weiß, gewinnt den „Sunshine State” und sichert sich eine kaum zu erschütternde Machtbasis. Für diese Wählergruppen ist der Sturz Maduros die Erfüllung eines jahrzehntelangen Traums.

Zweitens geht es um die Zeit nach Trump. Er baut bereits an seiner Dynastie. JD Vance, sein Vizepräsident, und Marco Rubio, der Außenminister mit kubanischen Wurzeln, werden hier als die Architekten einer neuen, „starken” Außenpolitik inszeniert. Ein Ticket Vance/Rubio für 2028? Nach heute Nacht wirkt das fast unschlagbar. Rubio verfügt über rhetorische Schärfe und kulturelle Anbindung, während Vance ideologische Härte liefert.

Und drittens: Ablenkung. Der innenpolitische Druck in den USA ist immens. Die Ermittlungen gegen Trumps Administration und die wirtschaftlichen Spannungen im Rostgürtel treten in den Hintergrund, wenn Schlagzeilen wie „Mission Accomplished“ und die Verhaftung eines „Drogentyrannen“ dominieren. Ein Krieg oder zumindest eine „spektakuläre Operation“ ist seit jeher das beste Mittel, um das Volk um die Flagge zu scharen.

Was ist notwendig, um diesen Deal abzuschließen?

Was bleibt uns als Fazit dieses dramatischen Tages? Wir müssen der Realität ins Auge blicken. Die Zeit der klassischen Diplomatie, der langen Verhandlungen in den Sälen der Vereinten Nationen und der Rücksichtnahme auf völkerrechtliche Feinheiten ist endgültig vorbei.

In der Welt von 2026 zählt nur noch der Deal. Die einzige Frage, die heute in Washington gestellt wird, lautet: „Was ist notwendig, um diesen Deal abzuschließen?” Ob dabei die Souveränität eines anderen Staates verletzt oder jahrzehntealte Allianzen strapaziert werden, ist zweitrangig. Wir haben eine Ära des nackten Realismus erreicht, in der Macht nicht mehr durch Argumente, sondern durch Tatsachen definiert wird.

Maduro sitzt in einem Flugzeug nach New York. China wertet seine Satellitenbilder aus. Europa schreibt Pressemitteilungen. Und Donald Trump bereitet seine Pressekonferenz vor, um sich als der größte „Dealmaker” der Geschichte feiern zu lassen. Es ist eine kalte, neue Welt.

Während wir über die Geopolitik in Südamerika reden, schwelt im Hintergrund ein Thema weiter, das die Eliten in Washington immer noch nervös macht – egal, wie viele Diktatoren sie stürzen. Was steht eigentlich in den Epstein-Akten?


Kommentare

Andrea • Samstag, 3. Januar 2026 (via WhatsApp)

Es wird immer bekloppter. Ich habe ständig das Gefühl, in einem schlechten Film zu sein.

Danny l BehindBlueEyes.de • Samstag, 3. Januar 2026

Gerne würde ich einmal 100 Jahre in die Zukunft springen, ein Geschichtsbuch zur Hand nehmen und lesen, was über unsere Zeit geschrieben wird.


Quellenangabe

Muzaproduction, Grand Project, MiroMaxMusic (Musik), Truth Social (Bild)