Tradition und Veränderung

Freitag, 3. Januar 2020, 22:30 Uhr

Ab welcher Wiederholungsquote kann man eigentlich von einer Tradition sprechen?

Wir waren heute zum dritten Mal in Folge zum Neujahrskonzert. Mit einer Auswahl an Stücken von Franz von Suppé, Johann Strauss Sohn und Ludwig van Beethoven startet die Staatsoperette Dresden ins neue Jahr. Alle drei Komponisten eint, dass sie heute von den Wienern stolz als die ihrigen präsentiert werden. Zu Lebzeiten wurden Suppé und Beethoven eher als Zugereiste behandelt.

Doch nicht nur für die musikalische Unterhaltung war der heutige Abend gut. Auch der Bildungsauftrag kam nicht zu kurz.

Wussten Sie zum Beispiel, dass die Melodie des „Lieds der Deutschen“ einen burgenländisch-kroatischen Ursprung hat und sich förmlich durch die Geschichte mäandert? Hoffmann von Fallersleben schuf sein Werk ausdrücklich zur Melodie von „Gott erhalte Franz, den Kaiser“. Dieses Musikstück wurde von Joseph Haydn für Franz II. komponiert. Doch die Melodie hat Haydn schon als Bub gehört. In Niederösterreich geboren, hatte er Kontakt zur Sprachminderheit der dortigen Kroaten. Diese sangen morgens auf dem Weg zur Arbeit „Stal se jesem (Ich bin aufgestanden)“. Im Laufe der Zeit wurde daraus unser Deutschlandlied.

Was ist also Tradition und wie veränderlich ist sie?

In seinem 250. Geburtsjahr darf Ludwig van Beethoven natürlich nicht fehlen. Zur Aufführung kam „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“ (op. 91). Zu Lebenszeiten des Bonners sein kommerziell erfolgreichstes Stück. Für die Aufführung sind Kanonen erforderlich, deren Abfeuerung in der Staatsoperette natürlich nicht möglich sind. Doch die Salven braucht es, so kam das Publikum ins Spiel und jetzt Sie!

Wie haben wir Zuschauer heute Abend die Kanonenschüsse imitiert? Auf Ihre Vorschläge bin ich gespannt. Die richtige oder die fantasievollste Antwort gewinnt. Viel Erfolg.