Dinosaurier im Vorgarten und andere Familienprobleme

Urzeitechsen kopulieren mitten im Wohnviertel und eine Nebenrolle in „The End of Oak Street” sorgt dafür, dass die Zuschauer kurz vor dem Abspann besonders genau hinschauen sollten.

Die Geschichte des Films „The End of Oak Street” beginnt mit dem Kennenlernen einer ganz normalen Familie. Schnell wird klar, dass unter der polierten Oberfläche der Elternbeziehung tiefgreifende Probleme schwelen. Bevor die Ehekrise jedoch offen ausbricht, katapultiert eine unerwartete Zeitreise das Geschehen in eine völlig neue Dimension. Damit das Publikum bei all den temporalen Verwicklungen nicht den Faden verliert, übernimmt Tochter Audrey die Rolle des erklärenden Nerds. In der Frühstückspause nutzt sie die Gelegenheit, um der verwirrten Verwandtschaft und den Zuschauern die theoretischen Grundlagen von Wurmlöchern anschaulich zu vermitteln.

Aus diesem wissenschaftlichen Chaos entwickelt sich die eigentliche Handlung. Regisseur David Robert Mitchell kam die Grundidee zu diesem Spektakel angeblich bei einem ganz gewöhnlichen Abendspaziergang. Ihm schoss die Frage durch den Kopf, wie wohl der eigene Vorgarten aussähe, wenn statt frecher Waschbären plötzlich echte Dinosaurier in den Mülltonnen nach Futter stöbern würden. Genau dieses Szenario entfaltet sich nun vor den Augen der Familie, deren Alltag durch die prähistorischen Besucher komplett auf den Kopf gestellt wird.

Parallel dazu entfaltet sich ein weiterer spannender Handlungsstrang. Der Cast wird rund um die Rolle der Figur Jeannette entscheidend erweitert. Sie besetzt zwar nur eine kleine Nebenrolle, sorgt kurz vor dem Abspann aber dafür, dass man als Zuschauer besonders genau hinschauen muss. Ein Jahr nach den dramatischen Ereignissen, als im Viertel längst wieder der Alltag eingekehrt ist, taucht Jeannette bei einer Gartenparty plötzlich doppelt auf. Sie profitiert direkt von dem Phänomen der Zeitreise und existiert durch die entstandene temporale Anomalie schlichtweg zweimal.

Die unangefochten beste Szene des gesamten Werks ist ohne Frage der skurrile Moment, in dem zwei der Urzeitechsen mitten im Wohnviertel kopulieren. Trotz solch unterhaltsamer Spitzen bleibt die Frage offen, ob der enorme Rummel im Internet wirklich gerechtfertigt ist. Für mich persönlich stellt das Werk ein absolut gelungenes Popcorn Kino für einen amüsanten Abend dar, reicht aber trotz des medialen Wirbels nicht an die Klasse eines echten Blockbusters heran.


Quellenangaben

Bilder: Warner Bros. Discovery, Inc.
Sound: Aleksandr Karabanov, Natan Molibog