Solide Splatter-Effekte, hanebüchene Logiklöcher und der Niedergang einer Horror-Ikone

Schon Pläne fürs Wochenende? Falls Kino geplant ist, „Scream 7“ kann ich nicht empfehlen.

Die „Scream“-Reihe ist eigentlich dafür bekannt, mit den Klischees des Horror-Genres zu spielen, sie meisterhaft zu dekonstruieren und uns Zuschauern immer wieder einen ironischen Spiegel vorzuhalten. Doch was hier im mittlerweile siebten Aufguss abgeliefert wurde, fühlt sich leider weniger nach einer cleveren Meta-Erzählung an und viel mehr nach einem verzweifelten Versuch, eine Marke künstlich am Leben zu erhalten, die ihre besten Tage längst hinter sich hat. Wer auf der Suche nach Logik, einer fesselnden Geschichte oder auch nur einem Mindestmaß an erzählerischer Kohärenz ist, wird hier im Kinosessel leider bitter enttäuscht.

Handwerk top, Inhalt Flop

Ich will dabei absolut fair bleiben: Die Splatter-Effekte waren wirklich gut gemacht. Wenn es rein darum geht, handwerklich solide Effekte zu zeigen und den „Gore-Faktor“ für das heutige Publikum ordentlich hochzuschrauben, dann liefert der Film punktuell ab. Die Maskenbildner und Effekt-Spezialisten haben ihr Handwerk definitiv verstanden und beweisen ein Händchen für kreative Grausamkeiten. Wer also ausschließlich ins Kino geht, um ein bisschen Blut fließen zu sehen, ohne dabei das Gehirn auch nur auf Standby laufen zu lassen, wird vielleicht auf seine Kosten kommen. Aber reicht das wirklich für einen abendfüllenden Spielfilm, der sich in die prestigeträchtige Riege eines Kult-Franchises einreihen will? Meiner Meinung nach definitiv nicht. Sobald die Messer eingepackt werden und die Charaktere anfangen zu reden – oder noch schlimmer – aktiv zu handeln, bricht das gesamte dramaturgische Kartenhaus in sich zusammen.

Wo ist eigentlich die Staatsmacht?

Der Rest des Films ist nämlich von einer hanebüchenen Story geprägt, die so viele Logiklöcher aufweist, dass man problemlos mit einem SUV hindurchfahren könnte. Fangen wir doch mal mit dem Offensichtlichsten an: Der Polizeichef verschwindet einfach spurlos. Wir reden hier schließlich nicht von einem namenlosen Statisten, sondern vom obersten Gesetzeshüter der Stadt! Und was passiert in der Folge? Absolut nichts. Es fällt schlichtweg niemandem auf, es wird nicht ermittelt, und es scheint auch niemanden zu kümmern. In einer Stadt, die ohnehin schon periodisch von brutalen Mordserien heimgesucht wird, sollte man meinen, dass das Verschwinden des Polizeichefs zumindest eine kurze Erwähnung im Lokalradio oder eine besorgte Schlagzeile wert wäre.

In der Welt von „Scream 7“ scheint das jedoch völlig normaler Alltag zu sein. Überhaupt wirkt das Konzept der Polizei in diesem Film eher wie eine optionale Randnotiz der Drehbuchautoren. In absoluten Notsituationen, in denen jeder Mensch mit einem Funken Selbsterhaltungstrieb sofort zum Handy greifen und den Notruf wählen würde, passiert: nichts. Die Figuren rennen lieber minutenlang schreiend im Kreis, stolpern über ihre eigenen Füße oder verstecken sich hinter dünnen Vorhängen, anstatt die Profis zu rufen. Das wirkt im Jahr 2026 einfach nur noch deplatziert und nimmt dem Film jede echte Spannung, weil man sich als Zuschauer weniger gruselt, sondern sich primär über die unfassbare Dummheit der Protagonisten ärgert.

Physik im Urlaub: Gale gegen Sidney

Besonders absurd wird es bei der räumlichen Logik und der Physik, die uns der Film verkaufen will. Gegen Ende gibt es diese Szene, in der Gale Weathers versucht, Sidney Prescott mit dem Auto zu folgen. Nun sollte man meinen, dass ein motorisiertes Fahrzeug einen gewissen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber einer rennenden Person hat. Doch weit gefehlt: Unser „Final Girl“ Sidney ist zu Fuß unterwegs und dennoch auf magische Weise überall zuerst da. Es scheint fast so, als hätte Sidney während ihrer jahrelangen Flucht vor Ghostface die Fähigkeit zur Teleportation entwickelt oder Gale hat schlicht vergessen, in den zweiten Gang zu schalten. Diese Diskrepanz zwischen Auto und Fußgänger ist so offensichtlich, dass es beinahe an Slapstick grenzt.

Amerikanische Architektur aus dem Bastelladen

Und dann wäre da noch das Thema der amerikanischen Architektur, das in diesem Teil unfreiwillig zur Comedy verkommt. Ich weiß natürlich, dass in den USA viel mit Leichtbauweise gearbeitet wird, aber in „Scream 7“ wird dieses Klischee auf die absolute Spitze getrieben. Da wird munter durch Wände geschossen, als bestünden sie aus feuchtem Butterbrotpapier. Deckung suchen hinter einer Zimmerwand? Völlig zwecklos. Der absolute Höhepunkt der Lächerlichkeit ist jedoch der sogenannte Panikraum. Normalerweise verbindet man mit einem Panikraum einen Ort der absoluten Sicherheit – massiv gebaut, stahlverstärkt und schwer zugänglich. In diesem Film hat der Panikraum jedoch einen Zweitausgang, der direkt in einen Hohlraum zwischen der eigentlichen Hauswand und einer Schicht Pappmaché führt, die wohl die Zimmerwand darstellen soll. Man flieht also aus der vermeintlichen Festung direkt in eine hohle Kulisse, in der man vermutlich sogar das Atmen des Killers durch die Wand hören kann. Das ist kein Panikraum, das ist ein schlechter Scherz der Requisite.

Das verspielte Erbe

Das wirklich Traurige an der ganzen Sache ist, dass die „Scream“-Reihe einst für echte Qualität und Innovation im Slasher-Genre stand. Der erste Teil war eine Revolution, und selbst die späteren Fortsetzungen hatten meist noch einen gewissen Charme, einen spannenden „Whodunit“-Aspekt oder zumindest eine klare visuelle Vision. Bei Teil 7 habe ich jedoch das traurige Gefühl, dass einfach nur noch leblose Versatzstücke aneinandergereiht wurden, ohne jemals zu prüfen, ob sie im Kontext der Handlung überhaupt Sinn ergeben. Die Dialoge wirken hölzern und gezwungen, die Twists sind für jeden, der schon mal einen Horrorfilm gesehen hat, meilenweit vorhersehbar, und eine echte Charakterentwicklung findet praktisch nicht statt. Wenn man sich als Zuschauer mehr Gedanken über die mangelhafte Statik des Hauses und die übermenschliche Kondition der Hauptdarstellerin macht als über die Identität des Killers, dann hat ein Horrorfilm sein Ziel fundamental verfehlt. Dabei wäre die Identität des Killers und dessen Motiv eigentlich noch ein ganz eigenes Thema für sich, das vor Absurdität nur so strotzt.

Zusammenfassend lässt sich nur sagen: Das Geld für das Kinoticket kann man sich dieses Mal wirklich sparen! Wer ein Fan von handgemachten Splatter-Effekten ist, kann getrost warten, bis der Film im Streaming verfügbar ist, und sich dann die entsprechenden drei Minuten im Schnelldurchlauf ansehen. Den Rest der Laufzeit kann man getrost ignorieren, ohne etwas zu verpassen. Die Story ist ein einziges Ärgernis und beleidigt die Intelligenz jedes langjährigen Fans, der mit Sidney Prescott und den klassischen Regeln des Genres aufgewachsen ist.

„Scream 7“ ist leider kein Schrei vor Entsetzen, sondern eher ein sehr langes, müdes Gähnen.