Netflix und die Entstehung von Narnia

Netflix wagt sich an eine der beliebtesten Fantasy-Welten der Literaturgeschichte und verpasst den „Chroniken von Narnia” ein umfassendes Reboot. Unter der Regie von Greta Gerwig steht uns eine spektakuläre Rückkehr bevor, doch diesmal weicht der Streaming-Riese von seinen gewohnten Pfaden ab. Anstatt direkt in den verschneiten Wald hinter dem Kleiderschrank zu springen, geht das Projekt dorthin zurück, wo alles begann, und feiert gleichzeitig eine echte Kinopremiere.

Wenn man an Narnia denkt, hat man meist sofort die Geschwister Pevensie, die weiße Hexe und den mächtigen Löwen Aslan vor Augen. Doch für den Auftakt setzt Greta Gerwig auf das Buch „Der Neffe des Magiers” (Original: „The Magician’s Nephew”), das zwar die Vorgeschichte chronologisch erzählt, bei bisherigen Verfilmungen aber stets übergangen wurde. Damit betritt das Projekt Neuland auf der Leinwand. Die Geschichte führt zur Entstehung Narnias: Wir erleben, wie Aslans magischer Gesang eine neue Welt erschafft, wie die böse Hexe Jadis dorthin gelangt und welches Geheimnis sich hinter den magischen Ringen und dem Ur-Kleiderschrank verbirgt. Es ist eine faszinierende Ursprungsgeschichte voller Magie, Entdeckungsdrang und düsterer Geheimnisse, die das Narnia-Universum aus einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet.

Dieses Projekt bedeutet für Netflix aber auch in geschäftlicher und strategischer Hinsicht eine kleine Revolution. Lange Zeit galt beim Streamingdienst die eiserne Regel, dass eigene Produktionen exklusiv oder mit sehr kurzen Zeitfenstern im Kino gezeigt wurden. Mit „Narnia” bricht Netflix nun bewusst mit dieser Tradition: Der Fantasy-Epos erhält ein echtes, weltweites Kinofenster inklusive IMAX-Start. Fans können das spektakuläre Weltenbauen also zuerst dort erleben, wo gigantische Bilder und imposanter Sound am besten wirken: auf der großen Leinwand. Erst im Anschluss wandert der Film ins Streaming-Angebot.

Doch „Der Neffe des Magiers” ist erst der Anfang. Netflix hat sich bereits die umfassenden Rechte an allen sieben Büchern von C. S. Lewis gesichert. Der Deal mit Regisseurin Greta Gerwig umfasst aktuell mindestens zwei Filme, doch hinter den Kulissen wird bereits an einer noch größeren Vision gearbeitet. Langfristig plant Netflix ein ganzes Multiversum, das neben mehreren Spielfilmen auch Serien-Spin-offs umfassen könnte. Nach der Ursprungsgeschichte soll der Weg zu den bekannten Klassikern wie „Der König von Narnia” führen, um die Welt Stück für Stück auszubauen und die gesamte Buchreihe erstmals chronologisch zu verfilmen.

Inzwischen ist auch der erste offizielle Trailer erschienen und wie so oft bei großen Neuinterpretationen gehen die Meinungen im Netz bereits weit auseinander. Die einen feiern die optische Umsetzung und Gerwigs Stil, die anderen zeigen sich skeptisch gegenüber den ersten Eindrücken. Ehrlich gesagt weiß ich selbst nach den ersten bewegten Bildern noch nicht hundertprozentig, was ich davon halten soll. Aber bevor man das Projekt wegen einzelner Szenen voreilig abschreibt, sollte man der Vision eine faire Chance geben. Die wahre Magie einer solchen Welt entfaltet sich schließlich auf der großen Leinwand und genau dort sollte man sich ein eigenes Urteil bilden.


Quellenangaben

Grafik: Netflix
Sound: Aleksandr Karabanov, Music Word