Der Rücktritt von Bärbel Bas und die fehlende Menschlichkeit im Räderwerk der Politik

Manchmal fallen persönliche Empfindungen und die harte politische Realität auf eine Art zusammen, die nachdenklich stimmt. Der Rücktritt von Bärbel Bas von ihren Ämtern als Arbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende ist so ein Moment.

Ein starkes Präsidium, ein blasses Ministerium

Ich gebe es ehrlich zu: Als Bundestagspräsidentin fand ich Bärbel Bas richtig gut. Sie hat das zweithöchste Amt im Staat mit Würde, Klarheit, Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern und der nötigen Unabhängigkeit ausgeübt. Als sie dann das Arbeitsressort übernahm, war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Doch in der Rolle der Ministerin blieb sie für mich irgendwie merkwürdig blass. Es wirkte oft so, als hätte sie ihren Platz im Kabinett nie ganz gefunden. Zwischen den Zwängen der Koalitionsdisziplin und der harten politischen Debatte fehlte mir die gewohnte Präsenz, die sie im Parlament so ausgezeichnet hatte.

Schmerzhafte Gründe für den Rückzug

Die Beweggründe, die sie nun zu ihrem Rücktritt veranlasst haben, sind zutiefst traurig. Nach dem Tod ihrer Stieftochter braucht sie Zeit zur Trauer und Aufarbeitung. Dass sie in einer so belastenden Phase zusätzlich noch öffentlichen Angriffen und politischem Druck ausgesetzt war, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. In solchen Momenten zeigt die Politik oft ihre unbarmherzigste Seite.

Das Signal der blitzschnellen Nachfolge

Was mich bei all dem jedoch maßgeblich stört, ist die Mechanik der Verkündung: Kaum war der Rücktritt öffentlich, stand mit Alexander Schweitzer bereits der Nachfolger fest. Natürlich ist mir völlig klar, wie Politik und Parteien funktionieren. Solche Entscheidungen werden intern nicht erst am Morgen der Bekanntgabe getroffen, und eine handlungsfähige Regierung braucht schnelle Klarheit. Doch muss man das der Öffentlichkeit punktgenau so servieren?

Ein bisschen mehr Würde fürs System

Hätte man sich mit der Verkündung der Nachfolge nicht vielleicht zwei oder drei Tage Zeit nehmen können? Einfach, um innezuhalten. Um Respekt vor der persönlichen Situation einer Kollegin zu zeigen und ein Signal zu senden: Hier arbeiten immer noch Menschen.

Durch diese unmittelbare Stafettenübergabe wird einmal mehr das typische Credo der modernen Arbeits- und Wirtschaftswelt befeuert: Jeder ist sofort ersetzbar. Die Rädchen greifen nahtlos ineinander, der Betrieb läuft ohne eine Sekunde Verzögerung weiter. Einem politischen Berlin, das ohnehin oft mit dem Vorwurf der Entfremdung und Gefühlskälte zu kämpfen hat, hätte ein kurzes Moment des Durchatmens guttun können.

Bärbel Bas verdient Respekt für ihren Schritt, Konsequenzen aus einer extrem schweren Lebensphase zu ziehen. Dem Politikbetrieb hätte etwas mehr Anstand gut zu Gesicht gestanden.


Quellenangaben

Grafik: photothek.de / Thomas Imo
Sound: Aleksandr Karabanov, Nikita Kondrashev