Drei Könige und das lange Leuchten

Heute ist der 6. Januar – der Dreikönigstag. Für die einen endete die Weihnachtszeit gefühlt schon am zweiten Feiertag mit dem Verstauen der Christbaumkugeln, für viele andere markiert der heutige Tag jedoch den eigentlichen Höhepunkt oder zumindest einen wichtigen Wendepunkt der Festzeit. Aber wie ist das eigentlich: Ist heute wirklich Schluss? Und wer waren diese drei Männer, die wir heute feiern?

Gold, Weihrauch und Myrrhe

Fangen wir vorne an. Wenn wir heute von den „Heiligen Drei Königen“ sprechen, greifen wir auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, die so nicht in der Bibel steht. Im Matthäus-Evangelium ist lediglich von „Magiern“ oder „Weisen“ aus dem Osten die Rede. Dass es drei waren, leitete man später von der Anzahl ihrer Geschenke ab: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Auch ihre Namen – Caspar, Melchior und Balthasar – sowie ihr Status als Könige wurden erst im Laufe der Geschichte hinzugefügt, um ihre Bedeutung zu unterstreichen.

Dieser Tag ist in Deutschland tief verwurzelt. In Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ist er sogar ein gesetzlicher Feiertag. Wir alle kennen das Bild der Sternsinger: Kinder, die von Haus zu Haus ziehen, um Segen zu bringen und Spenden zu sammeln. Das Kürzel „C+M+B“, das sie an die Türen schreiben, steht übrigens nicht für die Namen der Könige, sondern für den lateinischen Segen „Christus Mansionem Benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“.

König für einen Tag

Ein Blick über die Grenze nach Spanien zeigt jedoch, dass der 6. Januar dort eine viel größere Rolle spielt als bei uns der Heiligabend. Während wir uns bereits am 24. Dezember beschenken, warten die Kinder in Spanien sehnsüchtig auf die „Reyes Magos“. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar bringen die Könige die Geschenke. Es gibt riesige Umzüge, die sogenannten „Cabalgatas“, und statt Gänsebraten gibt es den „Roscón de Reyes“, einen Hefekuchen, in dem eine kleine Figur versteckt ist. Wer sie findet, ist für einen Tag der König.

Viele von euch werden heute vielleicht den Christbaum abschmücken oder die letzten Plätzchenvorräte vernichten – in dem Glauben, dass die Weihnachtszeit nun offiziell vorbei ist. Doch theologisch gesehen stimmt das gar nicht.

Fest der Taufe des Herrn

Früher endete die Weihnachtszeit tatsächlich erst viel später, doch durch die Liturgiereform der 1960er Jahre hat sich das geändert. Heute endet der Weihnachtsfestkreis offiziell mit dem „Fest der Taufe des Herrn”. Dieses Fest fällt immer auf den Sonntag, der auf den Dreikönigstag folgt. Das bedeutet für uns in diesem Jahr: Weihnachten endet erst am kommenden Sonntag. Wir haben also noch ein paar Tage Zeit, um das Licht der Krippe und die besondere Stimmung zu genießen, bevor uns der Alltag wieder ganz einholt.

Wenn wir noch weiter zurückblicken, gibt es da eine uralte Tradition, die in vielen Köpfen und Herzen – auch in meinem Zuhause – fest verankert ist: die Zeit bis zum 2. Februar, dem Maria Lichtmess.

Herrnhuter Sterne

Früher war Maria Lichtmess der endgültige Abschluss der Weihnachtszeit. Erst an diesem Tag wurden die Krippen und Tannenbäume aus Kirchen und Wohnzimmern entfernt. 40 Tage nach der Geburt Jesu. Es ist eine Zeit des Übergangs: Der Winter ist noch da, aber das Licht wird spürbar stärker.

Ich halte es da mit einer Mischung aus Moderne und Tradition. In dieser Woche werde auch ich damit beginnen, die klassische Weihnachtsdekoration wegzuräumen. Der Baum hat seinen Dienst getan, die Engel dürfen wieder in ihre Kisten. Aber es gibt eine Ausnahme, die mir sehr am Herzen liegt: Meine Herrnhuter Sterne.

Diese Sterne sind für mich mehr als nur reine Weihnachtsdeko. Sie symbolisieren das Licht, das in die Dunkelheit kommt. Deshalb bleiben sie bei mir im Fenster hängen, bis Lichtmess am 2. Februar gefeiert wird. An den dunklen Januarabenden, wenn es draußen oft grau und ungemütlich ist, schenken diese Sterne Wärme und Beständigkeit. Das genieße ich besonders nach dem Trubel der Feiertage. Es ist, als würde man sanft ausklingen lassen, statt einen harten Abbruch zu erleben.

Wie handhabt ihr das? Ist bei euch heute schon alles verstaut oder dürfen die Lichter noch ein wenig brennen? Vielleicht ist die Idee, die Sterne bis Lichtmess hängen zu lassen, ja auch etwas für euch, um ein bisschen Weihnachtszauber in den nüchternen Januar zu retten.


Bilder: Isabell Demuth (Herrnhuter Stern)
Podcast: Muzaproduction (Intro), Jan Semmler (Hintergrundmusik)