Kadetten, Betazoiden und die Schatten von Captain Kirk

Gestern ist die neue Serie „Star Trek: Starfleet Academy“ auf Paramount+ an den Start gegangen. Ich habe mir die ersten beiden Folgen angeschaut.

Der Start der neuen Serie markiert einen signifikanten Wendepunkt im „Star Trek“-Franchise. Die Handlung ist zeitlich im 32. Jahrhundert angesiedelt, jener Ära des Wiederaufbaus nach dem „Brand“, die bereits in den späteren Staffeln von „Discovery“ etabliert wurde. Nach über einhundert Jahren der Inaktivität öffnet die Sternenflotten-Akademie in San Francisco wieder ihre Tore. In der Auftaktfolge „Kids These Days” wird deutlich, dass dieser Neuanfang unter einer enormen Erwartungshaltung steht. Die erste Klasse von Kadetten besteht aus Individuen, die in einer fragmentierten Galaxie aufgewachsen sind und nun lernen müssen, was die Ideale der Föderation in der Praxis bedeuten.

Willkommen im 32. Jahrhundert: Die Tore der Akademie öffnen sich

Im Zentrum steht dabei der junge Caleb Mir, dessen Optimismus sofort mit der strengen, aber visionären Führung von Kanzlerin Nahla Ake (Holly Hunter) kollidiert. Die Episode widmet viel Zeit der Vorstellung des Campus und der emotionalen Bedeutung dieses historischen Moments. Das Erscheinen des Holo-Docs sorgt dabei für einen ersten großen Nostalgie-Moment.

In der zweiten Folge „Beta Test“ rückt die intergalaktische Diplomatie, der Kern der Serie, in den Fokus. Eine Delegation von Betazed, einer ehemals einflussreichen Mitgliedswelt, die sich nach dem Brand durch einen „psionischen Wall“ isoliert hatte, ist auf der Erde eingetroffen.

Admiral Vance und Kanzlerin Ake versuchen verzweifelt, Präsident Sadal zum Wiedereintritt in die Föderation zu bewegen. Das Besondere an dieser Folge ist die Verknüpfung der großen Politik mit dem Alltag an der Akademie: Caleb wird beauftragt, Tarima Sadal, die Tochter des Präsidenten, auf dem Campus und an Bord der USS Athena herumzuführen. Dabei kommt es zu einer sehr atmosphärischen Szene in einem Unterwasser-Aquarium mit Buckelwalen, die als emotionaler Brückenschlag zwischen den Kulturen dient. Letztlich ist es die persönliche Verbindung zwischen den Jugendlichen, die die festgefahrenen Verhandlungen rettet und den Weg für eine Rückkehr Betazeds ebnet.

Zwischen Coming-of-Age und klassischer Sci-Fi

Hinsichtlich der Machart lässt sich feststellen, dass „Starfleet Academy“ einen deutlich anderen Ton anschlägt als die Vorgängerserien. Während „Discovery“ oft durch epochale Dramatik geprägt war, wirkt die neue Serie frischer und orientiert sich stark am „Coming-of-Age“-Genre. Dadurch fühlt sie sich phasenweise wie eine moderne Jugendserie im Weltraum an, was einen starken Kontrast zum klassisch-episodischen Stil von „Strange New Worlds“ bildet.

Der Weg zurück zur Enterprise: Was das SNW-Casting verrät

Letztere steht derzeit ohnehin im Fokus der Aufmerksamkeit, da durch jüngste Casting-Entscheidungen die gesamte ursprüngliche Enterprise-Crew unter Captain Kirk in ihren jungen Versionen nun vollständig ist. Mit den Neubesetzungen von Sulu und Dr. McCoy sind alle Schlüsselrollen besetzt. Dies nährt die Spekulationen innerhalb der Fangemeinde, dass Paramount bereits an einer Serie arbeitet, die die legendäre erste Fünf-Jahres-Mission der Enterprise mit dem aktuellen Cast aus „Strange New Worlds“ neu erzählt.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Kadetten im 32. Jahrhundert weiterentwickeln und ob die Serie ihren Platz zwischen der Dramatik der Zukunft und dem nostalgischen Charme der Kirk-Ära finden wird.