Ein echter Allrounder bei der Verdauung und in der Sterneküche

Manchmal schlummern die besten Ideen und wertvollsten Nährstoffe dort, wo wir sie am wenigsten vermuten. Wenn wir an Obst denken, greifen wir oft zu Äpfeln oder Bananen. Doch eine Frucht verdient weitaus mehr Aufmerksamkeit als ihr im Alltag meist zuteilwird. Die Rede ist von der Kiwi, die nicht nur herrlich erfrischend schmeckt, sondern es in puncto Inhaltsstoffe faustdick hinter den Ohren hat und enorme Vorteile für unsere Ernährung bietet. Die Kiwi liefert wertvolle Vitamine und Ballaststoffe, unterstützt auf natürliche Weise den Magen Darm Trakt und kann sogar den Schlaf verbessern, da in einer taiwanesischen Studie Erwachsene, die vier Wochen lang jeden Abend zwei Kiwis vor dem Zubettgehen aßen, im Schnitt rund fünfunddreißig Prozent schneller einschliefen und etwa dreizehn Prozent länger schliefen, womit zwei Kiwis am Abend definitiv einen Versuch wert sind, auch wenn Menschen mit einer Latex Allergie aufgrund möglicher Kreuzallergien etwas vorsichtig sein sollten.

Die Schale ab jetzt mitessen

Nun kommen wir zu einem Teil, den fast alle Menschen gedankenlos in den Müll befördern, und zwar der Schale, weshalb man sie ab jetzt unbedingt mitessen sollte. Hand aufs Herz, die pelzige Hülle sieht erst einmal nicht nach Genuss aus, aber sie ist absolut essbar und liefert rund fünfzig Prozent mehr Ballaststoffe als das reine Fruchtfleisch, dazu eine Extraportion Vitamin E und Folsäure. Wie das geht, ohne dass es sich im Mund unangenehm anfühlt, ist ganz einfach. Entweder reibt man die grüne Kiwi unter fließendem Wasser kurz mit einem Schwamm ab, wodurch der feine Flaum verschwindet und die Schale fast glatt wird, oder man greift gleich zu der unkomplizierten gelben Goldkiwi, deren Schale von Natur aus völlig glatt und haarlos ist. Zwar gehören Kiwis generell zu den Früchten mit relativ geringen Pestizidrückständen, aber wenn man die Schale mitisst, greift man am besten zu Bio Qualität und wäscht sie gründlich ab.

Von der Verdauung bis in die Sterneküche

Dass die Kiwi ein echter Allrounder ist, zeigt sich auch bei der Verdauung, denn in kontrollierten klinischen Studien aus den USA, Italien und Neuseeland aßen Menschen mit Verstopfung vier Wochen lang täglich zwei grüne Kiwis, wodurch sie danach deutlich regelmäßigeren Stuhlgang hatten und das genauso effektiv wie mit klassischen Hausmitteln wie Pflaumen oder Flohsamen. Dahinter steckt ein ganz besonderes Enzym namens Actinidin, dessen Spezialität das Spalten von Eiweiß ist. Wenn man beispielsweise ein Stück rohes Rindfleisch in Kiwi-Püree legt, werden die Fasern nach kurzer Zeit weich und mürbe. Genau deshalb nutzen Köche die Frucht schon lange als natürlichen Fleischzartmacher.

Dieses Prinzip arbeitet auch in unserem Körper, denn in Laborversuchen half Actinidin dabei, Eiweiß aus Fleisch, Milch und Getreide schneller zu zerlegen, womit eine Kiwi nach einer eiweißreichen Mahlzeit ein verdammt schlaues Dessert darstellt. Am Ende hat es diese faszinierende Frucht durch diese Eigenschaften längst geschafft, ihren Einzug in die gehobene Gastronomie und damit in die Sterneküche zu finden. Spitzenköche wissen schon lange um die doppelte Magie der Kiwi, da sie Einerseits das Actinidin schätzen, um Gerichte durch feine Marinaden und Texturen zu verfeinern, und andererseits gezielt auf den kontrastreichen, süß säuerlichen Frischekick setzen. Ob in raffinierten Kompositionen zu feinem Wild, in kreativen Vinaigrettes oder als dekonstruiertes Dessert, die Kiwi hat das Image des schlichten Frühstücks Obstes längst abgelegt und zeigt eindrucksvoll, dass sie geschmacklich und handwerklich in der Liga der Top Gastronomie mitspielt, sodass zwei Kiwis am Tag mit Schale schlichtweg pure Biochemie auf dem Teller sind.


Quellenangaben

Grafik: Google Gemini
Sound: Aleksandr Karabanov, Stan Kirion