James und die goldene Banane


Ein echtes Animations-Highlight erobert derzeit die Kinoleinwände und beweist, dass dem Franchise auch nach zahlreichen Abenteuern der kleinen gelben Hauptfiguren keineswegs die Puste ausgeht. Mit „Minions & Monsters“ liefert Illumination Entertainment nicht nur das gewohnte Chaos, sondern auch einen genialen erzählerischen Kniff. Der Film ist eine tief verneigende, urkomische und extrem liebevolle Hommage an die goldene Ära Hollywoods. Er nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise ins Los Angeles der 1920er-Jahre. Inklusive Filmsets, klassischer Filmmonster und der endgültigen Klärung eines der größten Mythen der Popkultur.

Stummfilmstar statt Superschurke: Worum geht es?

Die Geschichte schlägt eine erfrischend neue Richtung ein, indem sie sich von den bekannten Pfaden rund um die Figur Gru entfernt. Im Mittelpunkt steht ein ganz anderer Stamm von Minions, angeführt vom kreativen und kunstbegeisterten James sowie seinen Kumpels Henry und Ed. Auf ihrer ewigen Suche nach dem perfekten finsteren Meister verschlägt es die gelbe Rasselbande nach einigen unglücklichen Begegnungen mit Zauberern und Mumien schließlich im Jahr 1927 nach Los Angeles. Genau zu dieser Zeit boomt die Traumfabrik und zieht Glücksritter aus aller Welt an.

Durch puren Zufall crashen die Minions ein historisches Filmset und werden über Nacht zu gefeierten Stummfilmstars. Sie schmeißen legendäre Partys in Luxusvillen und bringen die Menschen dazu, Latzhosen und Schutzbrillen als neuesten Modetrend zu tragen. Doch ihr Ruhm währt nur kurz, denn der Tonfilm hält unaufhaltsam Einzug in Hollywood. Da die Minions kein verständliches Englisch, sondern ihre eigene, chaotische Sprache „Minionese“ sprechen, sind sie im aufkommenden Tonfilmzeitalter plötzlich nicht mehr gefragt. Auf der Suche nach einer neuen Bestimmung beschließt James kurzerhand, einen eigenen Monsterfilm zu drehen und löst dabei versehentlich eine echte Katastrophe aus, die ganz Hollywood ins Chaos stürzt.

Ein Eldorado für Filmnerds: Die besten Easter Eggs

Was „Minions & Monsters“ für Cineasten so besonders macht, ist die unglaubliche Dichte an Easter Eggs und Querverweisen auf die Geschichte des Kinos. Der Film atmet den Geist des klassischen Filmschaffens. Schon die Eröffnung ist ein Fest für Filmbegeisterte. Die Minions stolpern in einer rasanten Montage durch die allerersten bewegten Bilder der Menschheit. Von Eadweard Muybridge über die Brüder Lumière bis hin zu Georges Méliès‘ legendärem Meisterwerk „Die Reise zum Mond“ aus dem Jahr 1902. Mit einem Unterschied: Hier wird ein Minion selbst zum Himmelskörper und die ikonische Rakete landet mitten in seinem Auge.

Im weiteren Verlauf führt die Handlung durch ein Filmmuseum, das vor Anspielungen auf spätere Meilensteine nur so strotzt. Zu sehen sind Requisiten aus „Casablanca“, „E.T. – Der Außerirdische“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“. Zudem lassen sich Statuen von Kinolegenden wie Alfred Hitchcock, der stilecht von Vögeln belagert wird, Orson Welles und Bruce Lee entdecken. Ein besonderes Highlight ist der Gastauftritt von Regie-Ikone George Lucas, der sich im englischen Original sogar selbst spricht. Die eigentliche Handlung bedient sich meisterhaft bei Klassikern wie „Singin‘ in the Rain“ und spiegelt die oft dramatische Übergangsphase vom Stumm- zum Tonfilm wider. Selbst Science-Fiction-Klassiker werden aufs Korn genommen, wenn ein freundlicher, aber bärenstarker Roboter namens Dort auftaucht. Eine direkte und charmante Anspielung auf den ikonischen Gort aus „Der Tag, an dem die Erde stillstand“.

Das Rätsel ist gelöst: Wie das „Land“ verschwand

Das absolute humoristische Highlight des Films und zugleich der rote Faden, der die Geschichte perfekt abrundet, ist die Auflösung eines historischen Rätsels rund um den weltberühmten Schriftzug in den Bergen über Los Angeles. Historikern und Filmfans ist bekannt, dass dort ursprünglich „HOLLYWOODLAND“ stand. Die riesige Werbetafel wurde 1923 für ein neues Immobilienprojekt errichtet. Dass die letzten vier Buchstaben im Jahr 1949 offiziell entfernt wurden, gehört zur realen Stadtgeschichte. „Minions & Monsters“ liefert nun die ultimative, absolut wahre und minion-typische Erklärung dafür.

Als das von den Minions entfesselte Riesenmonster Irene in Rage gerät und Kurs auf Hollywood nimmt, führt sein Weg unaufhaltsam durch die Hügel von Los Angeles. Aufgescheucht von den gelben Helden und dem Alien-Roboter wütet die gigantische Kreatur direkt an dem frisch errichteten Werbeschild. In blinder Zerstörungswut zertrümmert Irene den letzten Teil des Schriftzugs. Während die Minions und ihre Verbündeten das Monster schließlich stoppen können, bleibt am Hang ein Teil des Schadens irreparabel. Übrig bleibt genau der ikonische Schriftzug, den die Welt heute kennt. Ein genialer Twist, der zeigt, mit wie viel Liebe zum Detail die Macher am Werk waren.

Fazit: Ein Fest für die ganze Familie

Minions & Monsters“ gelingt das Kunststück, auf zwei Ebenen perfekt zu funktionieren. Dem jüngeren Publikum bietet er das gewohnt bunte, Slapstick-geladene Abenteuer mit jeder Menge Herz und witzigen Kreaturen. Erwachsene und filmbegeisterte Zuschauer hingegen entdecken eine tiefgründige, clevere Verbeugung vor den Pionieren des Kinos. Es ist fast so, als hätte man einen Crashkurs in Filmgeschichte mit einer Wagenladung Bananen gekreuzt. Dadurch wird der Hollywood-Schriftzug garantiert mit ganz anderen Augen gesehen.