Musik und Tanz und die Felsen der Sächsischen Schweiz

Culture Club • Sonnabend, 9. Juli 2022

Mit einer deutschsprachigen Version hatte ich gar nicht gerechnet. Dass die „West Side Story“ zumindest ein kleines Highlight im Kultursommer ’22 wird, damit schon. Die Gänsehautmomente auf der Felsenbühne Rathen waren heute Abend jedoch eine Überraschung.

Ich hoffe sehr, dass es unserer Gesellschaft immer wichtig sein wird, Kultur mit Steuermitteln zu finanzieren. Es muss Allen zumindest möglich sein, einen Kurzurlaub vom Alltag zu nehmen. Mir würde sonst Vieles fehlen und insgesamt empfände ich unser Land als ärmer.

Meinen ersten, aber nur kleinen Gänsehautmoment hatte ich, als Tony Maria trifft. Das zeitlupenhafte Spiel auf der Bühne ließ die neue Liebe im Talkessel zwischen den Felsen „Kleine Gans“ und „Großer Wehlturm“ fühlbar werden.

Es folgt die bekannte Story über Liebe und Feindschaft in den Hinterhöfen der West Side. Die Landesbühnen Sachsen inszenieren diese gekonnt mit farbenfrohen Kleidern für die Damen und coolen Klamotten für die Boys. In einer recht einfachen, aber doch passenden Kulisse wird begeistert gesungen, getanzt und sich geprügelt. Leider sind Liedtexte dabei manchmal nur schlecht zu verstehen.

„Wir alle haben Tony getötet“

Tony wird von Chino erschossen. Auf der Bühne stand alles still. Im Zuschauerraum war alles still. Maria trauert neben der Leiche Tonys sitzend. Hass und Gewalt haben ihren unerbittlichen Höhepunkt gefunden. Nichts ist mehr möglich. Als klagend „Irgendwo gibt es einen Platz für uns“ (Somewhere – There’s a Place for Us) ertönt, wurden meine Gedanken in die Gegenwart zurückgeholt.

Wird Liebe irgendwann wirklich stärker als Hass und Gewalt sein?!

Übrigens…

Leonard Bernstein wollte seit 1949 eine moderne Version von Romeo und Julia auf die Bühne bringen. Aber erst 1957 war es so weit. Die Urfassung trug den Namen East Side Story.


Bilder

© Landesbühnen Sachsen, Radebeul

3 Kommentare

  1. Habe mich gerade mal mit der Felsenbühne beschäftigt. Puh, da haben die ja wirklich viele Menschen engagiert, um das Stück auf die Bühne zu bringen, und diese vielen Menschen bedarf es auch, um die West Side Story so zu inszenieren, dass es wumm hat. Es ist immer wieder beeindruckend, dass auch kleine Bühnen (siehe Tecklenburg und Magdeburg) gutes Theater zeigen können, und das zu einem wirklich akzeptablen Preis.

    1. Akzeptabeler Preis…
      Deshalb hoffe ich auch inständig, dass die Kulturförderung erhalten bleibt. Ich glaube nicht, dass man die notwendigen Finanzmittel für eine solche Inszenierung durch Ticketgelder erwirtschaften kann.

      Wumms…
      Ja, es hat wumms gemacht!

  2. Es wird ja gern von „Kulturbanausen“ verlangt, dass die Theater doch bitte abgeschafft werden und das Geld, was da „versickert“ in wichtigere Dinge investiert wird. Kultur ist ein Teil unserer Gesellschaft. Ich möchte nicht wissen, wo wir heute ohne die Kultur stehen würden. Theater werden von vielen Menschen immer noch als was elitäres gesehen. Da trinkt man Sekt, die Damen im langen Kleid, die Herren mindestens im Anzug. Diese Zeiten sind vorbei. Niemand wird dumm angeschaut, wenn er in Jeans und Poloshirt in der ersten Reihe platznimmt. Aber die, die am lautesten schreien, haben wohl noch nie eine Aufführung in einem Theater gesehen. Für die ist Kultur, in Feinripp mit Chips und Dosenbier vor dem Fernseher zu sitzen.

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