Riesentamagotchis und die Netzwerk-Bubble

Sonnabend, 6. November 2021

„Ron läuft schief“ ist ein amüsantes Abenteuer für die ganze Familie und hat gleichzeitig ein Statement: Pro Freundschaft! Ich bin mir nur nicht ganz so schlüssig, welche Position der Film zum Thema soziale Netzwerke einnimmt.

Barney ist, was soziale Kontakte anbelangt, ein etwas unbeholfener Teenager und deshalb freut er sich auf einen eigenen B*Bot. Das sollen die neuen persönlichen Begleiter und natürlich auch die besten Freunde (O-Ton Hersteller) ihrer jungen Besitzer sein. Posts, Bilder, Chats. – Sie teilen einfach alles und dies sofort. Außerdem knüpfen sie für die Kinder neue Freundschaften mit vermutlich Gleichgesinnten. Optisch erinnern die B*Bot mich an riesige Tamagotchis.

Zum Geburtstag bekommt Barney seinen eigenen Begleiter, dessen Herkunft nicht ganz so klar ist und der außerdem eine ordentliche technische Macke hat. So ist er nicht mit dem Bubble-Netzwerk verbunden. Dies ist allerdings sein großes Plus, wie sich im Laufe der Story zeigt. Die beiden lernen so, was Freundschaft jenseits sozialer Netzwerke bedeutet.

Facebook – Quo vadis?

Soziale Netzwerke – Pro oder Contra? Ziemlich am Anfang zeigt „Ron läuft schief“ in eindrucksvollen Szenen, was Facebook und Co mittlerweile bedeuten und wie oberflächlich Online-Freundschaften eigentlich sind: Die B*Bots verarbeiten Informationen über ihre Kinder und reagieren in der Folge so, wie die Kinder wollen. Die Freunde-Finden-Funktion der Bots arbeitet nach der gleichen Logik. Mitschüler sind sich sympathisch, jedoch gibt es Unterschiede bei den Hobbies? Freundschaftsanfrage blockiert (obwohl die Mädchen noch im Kindergarten die besten Freundinnen waren).

Im Film wird dem Anbieter der B*Bot bewusst, dass Ron „falsch“ funktioniert und er soll schnellstmöglich aus dem Verkehr gezogen werden. Zwischenzeitlich übernimmt bei Bubble sogar Mr. Profitgier (Co-Gründer aus der Garage) die Führung und eine Hetzjagd nach Daten beginnt. Erst als der andere Co-Gründer im lässigen Shirt namens Marc wieder übernimmt, wird alles gut. Freundschaft funktioniert wieder, in und außerhalb der Bubble (Honi soit qui mal y pense).

Nun ja. Parallelen zu Apple und Facebook sind nicht zu übersehen. Bezieht hier Disney Stellung zu den neuen Privat-Sphäre-Einstellung von iOS 15, die Facebook schon einige Werbe-Milliarden gekostet haben? Oder soll es eher ein Lehrstück darüber sein, wie schnell ein soziales Netzwerk auch unsozial sein kann?

Mein Fazit:

Bewertung: 7 von 10.

So richtig schlüssig bin ich mir wegen der Meta-Botschaft (sic!) des Filmes nicht. Ein schöner Kino-Nachmittag war es aber.


Bildquelle: Disney, 20th Century Studios und Locksmith Animation

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