Online-Registrierung und das Scheitern der Hipster

Behind Blue Eyes • Mittwoch, 11. November 2020 (St. Martin)

Vor weniger als neunzig Minuten meldete sich die Corona-Warn-App. „Es gibt Neuigkeiten“ stand auf dem Smartphonebildschirm. Irritiert tippte ich auf die Meldung und das Display wurde rot. Die Worte „Erhöhtes Risiko“ trugen nicht gerade zu meiner Beruhigung bei, da ich mich seit gestern nicht gerade gut fühle. Ich folgte den Anweisungen in der App, registrierte mich online in der Corona-Ambulanz der Uniklinik, packte eine neue FFP-2-Maske ein und fuhr los.

Nach dem ich einen Parkplatz gefunden hatte, galt’s Haus 81 zu finden. Das ist in der Uniklinik nicht gerade einfach. Das Gelände ist unübersichtlich und auch unlogisch gegliedert. Trotz meines ausgesprochen nicht vorhandenen Orientierungssinnes erreichte ich aber das Ziel und lief durch Gitterstäbe, ähnlich an Flughäfen. Jetzt warte ich, dass ich zur Aufnahme kann.

Die Örtlichkeiten hier erinnern eher an einen Drive-in-Schalter bei McDonalds als an den Beginn einer medizinischen Maßnahme. Die zu Testenden stehen outdoor. Das Personal sitzt in einer Baracke hinter dicken Plexiglasscheiben und könnte auch gleich zu den Dreharbeiten von „Outbreak 2“ aufbrechen. Insgesamt stehen zwei Schalter zu Verfügung. Mal geht’s schneller, mal langsamer.

Während ich warte und mir so meine Gedanken mache, komme ich auch hinter die Gründe für die unterschiedliche Bearbeitungsdauer. Geht es schnell, stehen Menschen in Alltagskleidung, so ab 35+ – also mein Alter. Wir zeigen einen QR-Code auf unseren Handys vor und leisten noch eine Unterschrift und weiter geht’s. Dauert der Registrierungsvorgang länger stehen modisch vorzüglich Gekleidete ahnungslos in der Gegend rum. Sie müssen erst einen Fragenbogen ausfüllen. Das dauert natürlich. Auch scheint Mode nicht unbedingt zu wärmen. Die Dudes frieren sichtlich. Hatten sie sich mal mit diesem Internet beschäftigt, dann könnten sie schneller zur nächsten Station.

Hier warten jetzt eine Schwester und die Speichelprobe. Alles ist auf Geschwindigkeit optimiert. Für Fragen steht niemand bereit und dabei habe ich so einige. Laut der Corona-Warn-App fand meine Risikobegegnung vor zwei Tagen statt. CoVID-19 soll eine Inkubationszeit von fünf bis 6 Tagen haben. Wenn mein Ergebnis heute negativ ausfällt, muss ich da nochmals wiederkommen? Aber Zeit für mich hat hier niemand. Hoffentlich kann mir meine Hausärztin morgen mehr erklären.


+++ Update +++

Donnerstag, 12. November 2020, 7:28 Uhr

Der Coronavirus-Test ist negativ. Die Uniklink hat mich gerade per SMS informiert.
Mir fällt ein Stein vom Herzen.

10 Kommentare

  1. Ich finde, dafür braucht man keine Anweisung.
    Wir alle kennen doch Medienberichte und es hat uns z.B. empört, dass in Bayern die amerikanische „angebliche“ Superspreaderin gleich nach dem Test und v o r dem Ergebnis abends weiter durch Lokale gezogen ist.
    Solange der Status ungeklärt ist, wäre so ein Verhalten verantwortungslos.

    1. Hinweise zum Verhalten gibt es in der Corona-App: Bis zum Testergebnis soll man den Kontakt zu anderen Menschen meiden. Allerdings ist das nicht ganz in sich schlüssig.

      Ich hatte meine Risiko Begegnungen am Montag. Am Mittwoch wurde ich getestet. Bei einer Inkubationszeit von 5-6 Tagen, ist das Ergebnis vom Mittwoch also nicht unbedingt aussagekräftig. Eigentlich müsste ich nächste Woche noch einmal zum Test. Meine Hausärztin sieht das auch so. Sie hat mir empfohlen, 14 Tage meine Kontakte einzuschränken. Dies werde ich auch machen.

        1. Ist das nicht ein wenig „Wortklauberei“?

          Gäbe es strikte „Anweisungen“, müsste es konsequenterweise auch Kontrollen geben. Was bedeuten würde, dass Ordnungspolizei in der Haustür stünde. Das, lieber Hans-Georg, willst du doch keinesfalls, oder? Wir vertrauen doch sonst so gern auf eigene Vernunft und Einsicht als mündige Bürger!

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