Gilead und die zweibeinigen Gebär-Maschinen

Dienstag, 31. August 2021

Es gibt sieben Arten von Frauen: Ehefrauen, Tanten, Dienstmägde und Marthas stehen über den Econo-Frauen, Jezebels und den Unweibern. – Doch alle stehen rechtelos unter den Männern. Weil Gott Adam vor Eva erschaffen hat. Weil es so in der Bibel steht.

Gilead – Die göttliche Republik

Gilead ist ein Land in einer Welt, die von der unseren gar nicht mal so verschieden ist. Es gibt jedoch keine demokratisch legitimierte Regierung, sondern die „Söhne von Jakob“ sind an der Macht. Eine Gruppe von christlich-religiösen Fanatikern. Sie halten die allgegenwertigen Umweltkatastrophen, Kriege und die wachsende Unfruchtbarkeit der Menschen für Strafen Gottes. Deshalb legt ihre Art der Umweltpolitik die Bibel wörtlich aus, als Antwort auf das Elend auf der Erde.

Bildquelle: Hulu

Kurz skizziert ist das der Handlungshintergrund von „Der Report der Magd“ (Originaltitel: The Handmaid’s Tale) aus dem Jahr 1985. Fünf Jahre später wurde Margaret Atwoods Roman verfilmt und seit 2017 gibt es eine Serie.

Ich sehe zurzeit die dritte Staffel. Eine Szene der heutigen Folge hat mich lange bewegt, zeigt sie doch in mustergültiger Ausprägung was passiert, wenn einige Wenige ihre Ansichten zu allein gültigen erheben.

Ursprünglich sollte der Text im letzten Absatz „… zeigt sie doch in mustergültiger Ausprägung was passiert, wenn einige Wenige ihre Auslegungen von heiligen Schriften zu allein gültigen erheben.“ Das war mir dann doch zu einfach in Richtung der Talib zu interpretieren. Deshalb die Änderung.

Im Besitz der alleinigen Wahrheit sehen sich zurzeit Viele und damit bin ich zurück in unserer Welt. Corona hat uns nicht nur Masken aufgesetzt, sondern auch viele runtergerissen. Dies gilt für Maßnahmen-Befürworter und Impf-Gegner gleichermaßen. Wo sind eigentlich Anstand und Respekt geblieben?!

Spannend, wie ein über 36 Jahre altes Buch der Gegenwart einen Spiegel vorhalten kann.

Mütter, Kinder und Gefühle

Zurück nach Gilead und noch zu einer kurzen Erklärung. Mägde sind die wenigen verbliebenen Frauen, die noch gebärfähig sind. Sie werden der Familie eines Kommandanten zugeordnet. Dieser vergewaltigt sie in der fruchtbaren Zeit im Rahmen einer pseudo-religiösen Zeremonie, um ein Kind zu zeugen. Nach der Geburt müssen die Mägde zur nächsten Familie. Alles beginnt von vorn. Nur einmal im Jahr sehen die Mägde ihre Kinder. Während eines Gottesdienstes und nur von fern.

Die Magd Janine brachte auch ein Kind zur Welt. Nach der Geburt wird das Baby sofort in die Arme der „rechtlichen Mutter“ gegeben und von dieser Angela genannt. Janine hat allerdings den Namen Charlotte für sie ausgewählt.

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Janine sieht nun also nach längerer Zeit Charlotte wieder. Sie will natürlich zu ihrer Tochter. Sie will sie halten und darf dies erstaunlicherweise auch. Nachdem Janine Charlotte wieder abgeben muss, bettelt sie in der Familie ihrer Tochter bleiben zu dürfen. „Ich will doch nur bei ihr sein.“ Für diese zutiefst menschlichen Bitte wird sie brutal misshandelt. Die Frau eines Kommandanten kommentiert die Ergebnisse mit „deshalb wurde unser System geschaffen, damit so etwas nicht passiert.“ Eine andere Magd: „Zählen denn die Gefühle einer Mutter gar nichts?“ „Nein.“

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