Corona und die Hybris

Sonntag, 16. Januar 2022

Novak Đoković hat heute Australien verlassen, nachdem seine Rechtsmittel gegen die Einreise-Verweigerung endgültig abgewiesen wurden. Der Vorgang wirft par excellence Schlaglichter auf die derzeitige Situation, die mich einfach immer „mütender“ macht. Es ist erstaunlich wie viele laute Experten es auf einmal gibt. Das war doch sonst nur beim Fußball so.

Ich habe mir im Laufe der Zeit durch Schul-, Berufs- und Weiterbildung Werkzeuge angeeignet, um naturwissenschaftliche Grundlagen oder politische Zusammenhänge zu verstehen, auch kann ich Wirtschaftsmeldungen nachvollziehen. Ich bin ein Fachmann im Krankenversicherungsrecht und Gesetzeskundiger. Mir ist dabei aber immer bewusst, dass mein Wissen Grenzen hat. Diese kann ich zwar erweitern, aber ich kann kein grundlegendes neues Wissen schaffen, da ich nicht forsche.

Nehmen wir als Beispiel mal eine Virusinfektion. Ich weiß, dass da Viren in den Körper eindringen und sich dort vermehren. Gegen bestimmte Viren muss ich mich schützen (HIV), mit manchen leben (Herpes) und wieder andere machen ganze Gesellschaften verrückt (Corona). 

SARS-CoV-2

Ich habe zu dem Thema auch viel gelesen, sogar im Internet. Schließlich will ich verstehen, warum welche Entscheidungen getroffen wurden. Ich lese dabei aber immer nur eine Zusammenfassung des Wissens anderer. Die Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 kann ich selbst gar nicht beurteilen, weil mir das Referenzwissen fehlt und deshalb muss ich dabei einfach auf die Profis bauen.

Während der letzten zwei Jahre ist vieles nicht optimal gelaufen. Krisen bekommt man zu einem großen Teil durch gute Kommunikation in den Griff. Da wir uns aber daran gewöhnt haben, dass Probleme innerhalb weniger Tage gelöst werden, hat sich die Politik darauf eingestellt. So hat besonders am Anfang viel Ehrlichkeit und die Ansage gefehlt, dass eine lange harte Zeit auf uns zukommt. Mich machen die vielen Krisengipfelentscheidungen und die darauffolgenden Wortspenden einfach nur noch müde. Ich vermisse ein klares Konzept mit Zielen.

Wütend macht mich aber die Hybris von Klaus-Eberhardt und der Marianne aus der Provinz. Die meinen tatsächlich beim Scrollen durch Facebook, YouTube und ihre Telegram-Gruppen während sie auf dem Scheißhaus sitzen, nicht nur eine weltweite Verschwörung aufdecken zu können, nein sie glauben auch noch mehr Wissen zu haben, als Forscherinnen und Forscher, die sich seit Jahrzehnten nur mit dem Thema der Coronaviridae beschäftigen und steigern sich dann so sehr in ihre (gefühlte) Überlegenheit, dass sie alle anderen als dumm bezeichnen. Denen geht es doch gar nicht mehr darum die Wahrheit herauszufinden. Die wollen nur Recht haben. Wie wäre es – nur mal kurz – den sogenannten Helikopter View einzunehmen? Überprüft die Thesen doch mal!

Ja, ich bin mütend.

Müde mit Blick auf die Corona-Politik, die ich mehr und mehr als ziellos wahrnehme. Wütend mit Blick auf einen kleinen Teil meiner Mitmenschen, die in einer selbsterklären Überlegenheit gefangen sind und gar nicht mehr kommunizieren wollen.

Zum Schluss möchte ich noch den griechischen Maler Apelles zitieren: „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“

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