Bernini, der Papst und der Tod

Donnerstag, 16. September 2021

Schon mal was von Gian Lorenzo Bernini gehört? Nein? Dabei hat wohl fast jeder sein berühmtestes Bauwerk vor Augen, wenn das Wort Vatikan fällt. Seine vielleicht ungewöhnlichste Schöpfung liegt dagegen in Dresden. „Una celebre testa di Morto, opera del Cavalier Bernini“ galt lange als vermisst.

Erworben wurde „Ein berühmter Totenkopf, Werk des Ritters Bernini“ 1728 durch August den Starken aus dem Besitz der Familie Chigi. Diese stellte mit Alexander VII. einen Papst und für eben diesen arbeitete eben jener Gian Lorenzo Bernini in großem Umfang. Er schuf zum Beispiel die Kolonnaden rund um den Petersplatz in Rom und einen Totenschädel aus weißem Carrara-Marmor.

Schein und Sein

Ja, dieser ist wirklich beeindruckend. Die extra zur Wiederentdeckung zusammengestellte Sonderschau „Bernini, der Papst und der Tod“ eher nicht.

Der Totenschädel war wohl knapp 300 Jahre immer in Dresden. Doch erst kürzlich konnte nachgewiesen werden, dass er das Original ist. In einem Raum von vielleicht zwei mal 8 Metern wird er nun wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Dazu gibt’s ein Bild des Papstes und viel Text an den Wänden.

Der äußerst lange, Erwartungen weckende Titel erklärt sich übrigens durch die Pest. Diese bekämpfte Papst Alexander VII. durch Einschränkungen des öffentlichen Lebens, Hygiene-Maßnahmen und das Tragen von Masken.

Ich hatte mich auf die Ausstellung richtig gefreut. Was hätte man aus dieser Story alles machen können!? Doch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresdens beließen es leider beim althergebrachten An-die-Wand-hängen. Das funktioniert prima in den „Alten Meistern“. Da setzt man sich hin, kann sich in den zahllosen Bildern verlieren und entdeckt immer und immer wieder Neues. Da braucht es wirklich nur die Kunstwerke.

Wenn man jedoch „nur“ einen Totenschädel hat, sollte man sich mehr einfallen lassen. Zum Beispiel könnte Gian Lorenzo Bernini via VR-Brille die Besucher „persönlich“ in Empfang nehmen und dann von Papst und Tod erzählen. Technisch ist da doch so viel möglich.

Die durch Flyer und Extra-Homepage geschürten Erwartungen wurden heute nicht erfüllt. Schade…

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