Annalena Baerbock und das Narrativ der Unerfahrenheit

Sonntag, 25. April 2021

Liebe Leser, können Sie sich an „Philadelphia“ mit Tom Hanks erinnern? – Anwalt Andrew Beckett wird entlassen. Angeblich, weil er eine Akte verloren hat. Die eigentlichen Gründe liegen in seiner Homosexualität und beginnenden AIDS-Erkrankung. Ein Kündigungsschutzprozess folgt.

Der Film ist nun auch schon 28 Jahre alt und dennoch in vielen Facetten noch immer aktuell. Sogar auf den derzeitigen Bundestagswahlkampf lässt sich eine wichtige Frage beziehen: „Wem würden Sie den wichtigsten Job (in Ihrer Kanzlei) geben. Ihrem erfahrensten Mitarbeiter oder einem Grünling?“

Liberté, Égalité et Fraternité

Die Nominierung von Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin war beeindruckend. Geräuschlos, im Hochglanzformat verkündet und mit einem anständigen Verlierer. Werbeagentur und die PR-Abteilung haben da erstklassige Arbeit abgeliefert. Wahrscheinlich haben sie viel Erfahrung in der Produktplatzierung.

Lautstark wird jetzt daran gearbeitet, aus Unerfahrenheit eine sinnstiftende Erzählung zu machen, fast als wären es die Ideale der französischen Revolution. Vielleicht bin ich ein altmodischer Wähler, aber ich gucke mir doch schon ganz gern mal an, was die mir zur Auswahl Gestellten bisher gemacht haben und wie.

Roman Herzog sagte einmal, dass ein Ruck durch unser Land gehen müsse. Noch nie vor einer Wahl war ich mir so unsicher, wen ich wähle, geschweige denn eine sinnvolle Zukunftsgestaltung für unser Land zutraue. Das Angebot überzeugt mich bisher nicht. Zu den Gründen werde ich demnächst mehr schreiben. Das Arbeiten an diesem Text, hat mir heute nämlich mal wieder richtig Spaß gemacht.

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